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Adony, Jn terc isa (nach Anderen Potenciana) an der Stelle von Duna Pentele.
Unter den jetzigen Donau-Ortschaften sind folgende zu erwähnen: vor Allem die große
Ortschaft Erd oder Hamzsabig, die zur Hälfte am Stromufer, zur Hälfte auf einer
Höhe liegt, von wo sich eine prächtige Aussicht über die weiten Flächen des Alföld bietet.
Hier übernachtete Ludwig II. im Schlosse des Ambrosius Särkäny und als er dann auf
seinem Leibpferde nach Mohacs aufbrach, that dieses einen Sturz. Einst war der Ort eine
Citadelle, von der aber keine Spur übrig ist. In türkischer Zeit war er von einem
Plankenzaun umgeben. Hier begegnet man unfern der Donau dem letzten in diesem
Comitat vorhandenen Türkendenkmal, einem vollkommen wohl erhaltenen Minaret. Nach
der hunnischen Sage sollen die Hunnen unterhalb Erds bei Batta in das römische Reich
eingebrochen sein; auch die hier befindlichen „hundert Hügel" (Szazhalom) hält die
Überlieferung für den Bestattungsort der in der großen Täruokthaler Schlacht gefallenen
Hunnen, wogegen die wissenschaftliche Forschung zu ergeben scheint, daß diese Begräbniß-
stätten weit älteren Ursprunges sind und aus keltischer Zeit stammen dürften.
Weiter unten liegt Eresi, eine der größten Gemeinden des Comitats. mit
5.700 Einwohnern. Es ist der Verwaltungssitz einer berühmten Herrschaft, die in der
Hand des Freiherrn v. Lilien ihrer ganzen Einrichtung nach eine der ersten Landwirth-
schaften des Landes war; später fiel sie der freiherrlichen Familie Eötvös zu. Schloß uud
Park haben schon viel von ihrem Glänze verloren, dagegen finden sich im Park noch jetzt
einzelne altrömische Denkmäler, zum Beispiel ein Meilenstein der alten Aquiucum-Esseger
Heerstraße. Das hier befindliche Grab des Barons Joses Eötvös wird von der jungen
Generation noch jetzt zuweilen pietätvoll besucht.
Unter der Türkenherrschaft war auch Eresi ein mit Planken nmzännter Ort, in
dem die Türken die erste türkische Herberge, ein mit Blech bedecktes Karawan-Serai
errichteten. Diesem Orte, wie überhaupt deu Donau-Ortschaften wandten die Türken
besondere Sorgfalt zu, da seit der Mohacser Schlacht dies ihr gewöhnlicher Weg
nach Ofen war. Deshalb war auch das weiter stromab gelegene Dnna-Adony ein
wichtiger Platz. König Matthias schenkte es dem Kinizsy, von dem es auf seine
Gemalin, Benigna Magyar, überging, um dann an ihrer Hand der Familie Horvath
von Kännzät zuzufallen. Näheres über seine Vergangenheit ist nicht bekannt, denn
nur eiue Reisende des vorigen Jahrhunderts, Lady Wortley Moutague erwähnt
Adony in ihrer zu Beginn des XVIII. Jahrhunderts verfaßten Reisebeschreibung,
und zwar habe damals i>ie in der Türkenzeit so wichtige Ortschaft bereits in
Trümmern gelegen und die Gegend unterhalb des Ortes, bis nach Mohacs hin, sei
mit Wäldern bedeckt gewesen und kaum von einem Menschen betreten worden. Jetzt ist
Adony wieder ein bedeutender Ort mit 4,500 Einwohnern, Bezirksämtern, einer localen
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch