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deren jährlicher Ertrag gewiß einige hunderttausend Garben ausmacht. Das Nohr wird,
wenn es nicht vorher durch das Eistreiben geknickt worden, was übrigens selten geschieht,
auf dem Eise abgebrochen, in Garben gebunden an das Ufer geschafft und zu Bauzwecken
verkauft. Das Tausend Rohrgarben kostet 5t) bis 60 Gulden, so daß das Erträgniß der
Rohrgewinnung beinahe der Einnahme aus dem Fischereipacht gleichkommt.
Den größten Theil seiner wirthschaftlichen Bedentuug gewinnt der Plattensee durch
seine Bäder. Zum Baden in primitiver Form wurden seine Ufer ihrer ganzen Länge nach
von uralten Zeiten her benutzt. Die Bewohner der Ufer und ihres nächsten Hinterlandes
zogen im Sommer, besonders nach Beendigung der Ernte- und Drescharbeit, an Feiertagen
zu Fuß und zu Wagen in hellen Haufen an den Strand. Sie nahmen Lebensmittel
mit, und an den warmen Sommernachmittagen wimmelte es in den seichten Gewässern
und auf den sandigen Böschungen des Sees gleich einem förmlichen Jahrmarkte von
Hunderten badender Männer, Frauen und Kinder, Groß und Klein bunt durcheinander.
Diese Art von Badevergnügen Pflegte von Anfang Juli bis Mitte August zu dauern.
Später wurde es bei den in der Nähe wohnenden herrschaftlichen Familien regel-
mäßiger Gebrauch, sich täglich an den Plattensee hinunter zu begeben und ein Bad zu
nehmen, zu welchem Zwecke sie aus Rohr oder Brettern kleine Aus- und Ankleidehütten
erbauen ließen. Solche Badeeinrichtungen bestanden schon in älterer Zeit bei Gamäßa,
Siösok, Szäutöd, Boglär, Szemes, Fouyöd und das nordöstliche Ufer entlang von
Keßthely bis Börös-Bereny bei fast sämmtlichen Dörfern und Csardas, besonders aber
bei jedem solchen Weinberge, dessen Fuß sich bis an den Plattensee hinab erstreckte.
Gegenwärtig gibt es auch schon zeitgemäß eingerichtete Badeniederlassungen. Unter
diesen steht Balaton-Füred voran, das seit mehr als hundert Jahren den ersten
Platz unter den Badeorten des Landes jenseits der Donau einnimmt. Es ist für die
Nachbarcomitate, sowie selbst für Budapest schon seit Anfang dieses Jahrhunderts als
Unterhaltuugs- und Erfrischuugsort ungefähr ebenso wichtig, wie für das Oberland in
den Karpathen Bartfeld (Bärtfa) gewesen. Der Grund und Boden der Badeniederlassung
von Balaton-Füred gehört von Hause aus der Abtei Tihany, dem Veßpremer Kapitel,
dem Balaton-Füreder adeligen Eompossessorat und dem Papaer Zweige der Grafen
Esterhäzy. Der Säuerling jedoch, der ursprünglich diesem Bade so großen Zulauf brachte,
war stets Eigenthum der Äbte von Tihany und gelangte auch bei der Besitzregelung in
deren Hand. Das Bad wurde durch die Tihauyer Abtei gegründet, ausgebaut und alle
die Zeit her in Stand gehalten. Private begannen erst seit dem Jahre 1845 auf dem
Badegebiete zu bauen. Doch gab es bis zu den Sechziger-Jahren außer den Baulichkeiten
der Tihanyer Abtei blos fünf oder sechs Privatgebäude. Nun erst begannen auch Private
Sommerwohnungen, Villen und Absteigehäuser zu bauen, so daß jetzt Wohnräume geuug
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch