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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 586 -
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586 deren jährlicher Ertrag gewiß einige hunderttausend Garben ausmacht. Das Nohr wird, wenn es nicht vorher durch das Eistreiben geknickt worden, was übrigens selten geschieht, auf dem Eise abgebrochen, in Garben gebunden an das Ufer geschafft und zu Bauzwecken verkauft. Das Tausend Rohrgarben kostet 5t) bis 60 Gulden, so daß das Erträgniß der Rohrgewinnung beinahe der Einnahme aus dem Fischereipacht gleichkommt. Den größten Theil seiner wirthschaftlichen Bedentuug gewinnt der Plattensee durch seine Bäder. Zum Baden in primitiver Form wurden seine Ufer ihrer ganzen Länge nach von uralten Zeiten her benutzt. Die Bewohner der Ufer und ihres nächsten Hinterlandes zogen im Sommer, besonders nach Beendigung der Ernte- und Drescharbeit, an Feiertagen zu Fuß und zu Wagen in hellen Haufen an den Strand. Sie nahmen Lebensmittel mit, und an den warmen Sommernachmittagen wimmelte es in den seichten Gewässern und auf den sandigen Böschungen des Sees gleich einem förmlichen Jahrmarkte von Hunderten badender Männer, Frauen und Kinder, Groß und Klein bunt durcheinander. Diese Art von Badevergnügen Pflegte von Anfang Juli bis Mitte August zu dauern. Später wurde es bei den in der Nähe wohnenden herrschaftlichen Familien regel- mäßiger Gebrauch, sich täglich an den Plattensee hinunter zu begeben und ein Bad zu nehmen, zu welchem Zwecke sie aus Rohr oder Brettern kleine Aus- und Ankleidehütten erbauen ließen. Solche Badeeinrichtungen bestanden schon in älterer Zeit bei Gamäßa, Siösok, Szäutöd, Boglär, Szemes, Fouyöd und das nordöstliche Ufer entlang von Keßthely bis Börös-Bereny bei fast sämmtlichen Dörfern und Csardas, besonders aber bei jedem solchen Weinberge, dessen Fuß sich bis an den Plattensee hinab erstreckte. Gegenwärtig gibt es auch schon zeitgemäß eingerichtete Badeniederlassungen. Unter diesen steht Balaton-Füred voran, das seit mehr als hundert Jahren den ersten Platz unter den Badeorten des Landes jenseits der Donau einnimmt. Es ist für die Nachbarcomitate, sowie selbst für Budapest schon seit Anfang dieses Jahrhunderts als Unterhaltuugs- und Erfrischuugsort ungefähr ebenso wichtig, wie für das Oberland in den Karpathen Bartfeld (Bärtfa) gewesen. Der Grund und Boden der Badeniederlassung von Balaton-Füred gehört von Hause aus der Abtei Tihany, dem Veßpremer Kapitel, dem Balaton-Füreder adeligen Eompossessorat und dem Papaer Zweige der Grafen Esterhäzy. Der Säuerling jedoch, der ursprünglich diesem Bade so großen Zulauf brachte, war stets Eigenthum der Äbte von Tihany und gelangte auch bei der Besitzregelung in deren Hand. Das Bad wurde durch die Tihauyer Abtei gegründet, ausgebaut und alle die Zeit her in Stand gehalten. Private begannen erst seit dem Jahre 1845 auf dem Badegebiete zu bauen. Doch gab es bis zu den Sechziger-Jahren außer den Baulichkeiten der Tihanyer Abtei blos fünf oder sechs Privatgebäude. Nun erst begannen auch Private Sommerwohnungen, Villen und Absteigehäuser zu bauen, so daß jetzt Wohnräume geuug
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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