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verwandelt sich in eine stürmische politische Versammlung, legt dem Könige Beschwerden
vor, und dieser hat die größte Mühe, die aufwallenden Leidenschaften zu besänftigen.
Auch iu seiner auswärtigen Politik glückte es dem Könige nicht besser. Wichtige
Fragen standen auf der Tagesordnung: die Abwehr der Einfälle der Tataren und der
Walachen, das Zurückdränge» des immer kühner vordringenden Moskau und vor allein
die Aufhebung des Ordensstaates. Alle diese Fragen waren nur danu glücklich zu lösen,
wenn es Polen gelang, inmitten der europäischen Staaten die ihm gebührende Stellung
einzunehmen und dieselbe eonseqnent sestznhalten. Zwei europäische Mächte traten damals
in den Wettbewerb nm das Bündniß mit Polen: Frankreich und das Haus Habsburg.
Frankreich verbürgte ihm den Frieden mit der Türkei, welche damals, wenn anch mir
von einer gewissen Ferne, Polen zn bedrohen schien; es bot ihm auch eine Stütze im
Kampfe mit dem deutschen Orden, der noch immer in Deutschland einen Rückhalt hatte.
Österreich kounte Polen schaden, wenn es den Orden begünstigte und mit Moskau gemein-
schaftliche Sache machte, was aber Polen durch Unterstützung der Gegner des Hanses
Habsburg in Ungarn vergelten konnte. König Sigismund vermochte sich aber für keines
dieser Bündnisse zu entscheiden. Von seinen Ministern vertrat der eine, Laski, consequeut
das Bündniß mit Frankreich, der andere, Tomicki, neigte sich jenem mit Österreich zn, und
zwischen diesen zwei Richtungen schwankte die polnische Politik Jahrzehnte lang, ohne aus
einem dieser Bündnisse den entsprechenden Nutzen zu ziehen. Mit Moskau wurde gekämpft,
aber trotz zweier glänzender Siege, welche Fürst Constantin Ostrogski bei Orsza erfochten
hatte, gelang es doch dem Czaren Iwan, Smolensk zu eroberu und zu behaupten.
Die Walachen wurden von dem Kronfeldherrn Tarnowski bei Obertyn aufs Haupt
geschlagen, die Tataren mehrmals besiegt, aber von weiteren Einfällen nicht abgehalten.
Mit dem Hause Habsburg wurde im Jahre 1515 auf dem Cougrefse zu Wien ein
feierlicher Vertrag geschlossen, iu welchem König Sigismund in die wechselseitige Heirat
Ferdinands von Österreich mit der Tochter des Königs Ladislaus vou Ungarn, Anna,
und des Sohnes des letzteren, Ludwig, mit der Enkelin Kaiser Maximilians, Maria,
willigte. Doch brachte ihm dieser Vertrag nicht die erwartete Unterstützung in dem bald
darauf entbrannten Streite mit dem deutschen Orden. Albrecht von Brandenburg, ein
Schwestersohn Sigismunds von Polen, wurde zum Großmeister des Ordens gewählt,
verweigerte aber den Huldigungseid. In dem aus diesem Anlasse ausgekrochenen Kriege
drang das polnische Heer vor die Mauern von Königsberg, Sigismund verzichtete aber auf
die Fortführung des Krieges und ließ sich in langwierige Unterhandlungen ein, welche
damit endeten, daß Albrecht znm Protestantismus übertrat, den Ordensstaat in Preußen
auflöste und mit Zustimmung Sigismunds ein weltliches, erbliches Fürstenthnm Preußen
gründete, welches der Krone Polens lehenspflichtig war. Im Jahre 1525 leistete Albrecht
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Volume 19
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Galizien
- Volume
- 19
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1898
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.48 x 22.34 cm
- Pages
- 920
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch