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von den Unirten eingenommenen Kirchen zurück. Die Dissidenten suchte er durch ein
eoUoczuium okaritktivum in Thorn zu gewinnen. Die unruhigen Kozaken wurden gebändigt,
ihre selbständige Organisation wurde aufgehoben und ein von ihnen angestifteter Ausstand
blutig niedergeworfen. Das Land erfreute sich nunmehr eines ungetrübten Friedens, der
Ackerban hob sich zu ungeahnter Blüte, die Ausfuhr über Dauzig erreichte die höchste
Stufe. Die Kolonisation hatte längst die Ufer des Dniepr überschritten.
Wtadystaw IV. entwarf aber weitreichende Pläne eines Offensivkrieges gegen
die Tataren, eventuell auch gegen die Türken, um ihren Einfällen Halt zu gebieten lind die
Gestade des Schwarzen Meeres dauernd zu besetzen. Er knüpfte Unterhandlungen mit Rom
und Venedig an, um eine Liga zu bilden. Er warb ein bedeutendes Heer an und trug auch
kein Bedenken, die soeben niedergeworfenen Kozaken insgeheim zu orgauisiren und in
seinen Dienst zu nehmen. An der Spitze einer selbständigen Streitkraft hoffte er nicht nur
einen siegreichen Krieg führen, sondern auch durch einen Staatsstreich die königliche
Macht heben zu können. Doch seine Pläne stießen auf den eiumüthigen Widerstand der
Magnaten, der Reichstag erklärte sich unbedingt für den Frieden und der König hatte nicht
den Muth, den Krieg auf eigene Hand heraufzubeschwören. Er entließ die angeworbenen
Truppen, war aber nicht im Stande, die von ihm selbst aufgewiegelten Kozaken wieder
zur Ruhe zu bringen, zumal dieselben in dem polnischen Edelmanne Bogdan Chmielnick
einen Führer von seltener Thatkraft und unbändigem Ehrgeize gewonnen hatten. Da
der geplante Feldzug gegen die Tataren unterblieb, erhoben sich die Kozaken (1648),
wandten sich, durch aufständisches Bauernvolk vermehrt, gegen das Innere des Reiches,
ermordeten oder vertrieben den Adel nnd schlugen das durch Mangel an Disciplin geschwächte
polnische Heer aufs Haupt. Im Augenblicke der höchsten Gefahr starb Wtadyslaw IV.,
während sich Chmielnieki mit den Tataren verband und bereits ans Lemberg uud Zamosö
losging.
Der nach dem Tode Wladyslaws zum Könige gewählte Bruder desselben, Johauu
Kazimir, erbte nach ihm die Krone, die (zweite) Gemalin Maria Louise Gonzaga und
auch den Bürgerkrieg mit den Kozaken. Polen vermochte nicht, diesen Aufstand zu
bewältigen. Es bildeten sich zwei Parteien, von welchen die eine die Kozaken durch große
Zugeständnisse, durch vollkommene Autonomie und Verleihung des Adels znr Ruhe
briugeu uud dem Staate dienstbar machen wollte. Doch wurden die Bemühnngen der
Friedenspartei durch das Vorgehen der Gegenpartei immer gekreuzt, welche in den Kozaken
nichts anderes als ein aufständisches Baueruvolk sah, das mit Waffengewalt niedergeworfen
werden müsse. Andererseits waren auch Chmielnieki und dessen nächste Umgebung der
großen Masse der vou ihnen aufgewiegelten Kozaken und Bauern nicht immer Herr und
außer Staude, aus diesen Elementen ein geordnetes Gemeinwesen zn bilden. So kam es,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Volume 19
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Galizien
- Volume
- 19
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1898
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.48 x 22.34 cm
- Pages
- 920
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch