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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Volume 19
Page - 352 -
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352 oder Bäume gepflanzt oder sie bleiben auch ohne jedes Zeichen. Nach dem Begräbniß pflegt im Todtenhanse eine bescheidene Bewirthnng stattzufinden. Volkslied. Die Polnische Volkssprache kennt den Ausdruck „Poesie" uicht. Das Wort vviers? <Vers) aber bedeutet soviel, als „Zeile" und darf nicht, wie dies manchem Ethnographen begegnet, mit vviers?!» verwechselt werden, das aus der Volksdichtung bekannt ist und ein bis heute bei den Lasowiaken und anderwärts bekanntes Werkzeug zur Fischerei bezeichnet. Alles, was nicht Prosa ist, wird vom polnischen Volke „Lied" genannt; und das mit Recht, da außer den gereimten Sprichwörtern uud Räthseln alles als Lied, das heißt Gesang, fortlebt. Erst in unserem Jahrhundert hat sich die Aufmerksamkeit der Forschung der urwüchsigen Volksdichtung zugewendet. Seit 1820 ungefähr werden in allen Theilen Polens Lieder und Erzählungen gesammelt und veröffentlicht. In Galizien ist diese Richtung hauptsächlich durch einen Mann repräsentirt, welcher in der Geschichte dieses Landes sich einen rühmlichst bekannten Namen gemacht hat. Wenzel Zaleski, in seinen letzten Lebensjahren k k. Statthalter, war ein eifriger Liebhaber und Sammler des Volksliedes, und ließ unter dem Pseudonym Waelaw z Oleska eine Sammlung derselben erscheinen, die in jenen Jahren die reichhaltigste war und für immer verdienstvoll bleiben wird. Das Volk unterscheidet „weltliche" das heißt profane, und „fromme", das heißt religiöse Lieder oder vielmehr Gesänge; unter den weltlichen wieder öpievvki („Liedlein", „G'stanzeln") und Lieder im eigentlichen Sinne. Die letzteren sind, wie die frommen Lieder, ausschließlich für den Gesang, die „Liedlein" außerdem zum Saitenspiel und Tanz bestimmt. So sind denn die spie^vki eigentlich Tanzlieder oder Tanzweisen. Das Tanzlied bildet den Löwenantheil der polnischen Volkspoesie, nicht nur um seines fast unerschöpflichen Reichthums willen, sondern auch darum, weil es im eigentlichsten Sinne Volkspoesie, das heißt eine wahrhaftig aus dem Herzen des Landvolkes geschöpfte Poesie ist, weil es dieses Volk und mit ihm die ganze Nation am getrenesten wiederspiegelt. Da es dazu bestimmt ist, vor den Musikanten abgesungen zu werden und znmeift vor ihnen komponirt wird, so ist das Tanzlied der Natur der Sache nach kurz, zwei- oder vierzeilig (selten länger). Da aber der Musikant es dem Gehör nach spielen soll, damit der Sänger mit seinem Dirnlein tanzen könne, was ihm beliebt, so ist sein Rhythmus und seine Melodie der Rhythmus und die Melodie der polnischen Tänze. Es kaun nichts Anmuthigeres geben, als dieses Ablauschen, und im Fluge Erfassen des Volkscharakters, wie er sich da ohne den geringsten Vorbedacht oder Vorsatz gibt. Wenn der Bauernknecht mit seiner Tänzerin vor den Musikanten steht und singt: „Bin ein schlanker Bursche, Fürchte keine Prügel; Wer die Prügel fürchtet Bleibe hinter Schloß und Riegel."
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Volume 19
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Galizien
Volume
19
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1898
Language
German
License
PD
Size
16.48 x 22.34 cm
Pages
920
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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