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dessen von rechts nach links zugeschlagene Seiten von einem kostbaren, türkischen, um die
Taille gewundenen geblümten Shawl zusammengehalten wurden. In den Brustfalten dieses
Talars wurde mit Vorliebe ein großes, farbiges, oft seidenes Taschentuch getragen. Der
große, weiße, hervorstehende, aber nicht gesteifte Hemdkragen wurde mittelst eines schwarzen
Seidentuches, dessen Zipfel auf die Brust herabhingen, in der Höhe gehalten. Die Ärmel
des Talars waren zum Zuknöpfen hergerichtet, doch pflegte man sich während der
Sommerzeit selten zuzuknöpfen, weshalb die weiten Hemdärmel stets sichtbar waren.
Über diesem Talar trug man im Sommer einen bis an den Gürtel reichenden, kirsch-
farbenen, breitärmeligen Seidenhalbmantel, „kei-meneu" oder „skurwika- genannt,
welcher für den Wintergebranch aus einem mit kostbarem Pelzwerke gefütterten, grünlichen
Wollstoffe bestand. Über der Fermenea trug man zu jeder Jahreszeit einen bis an die Knie
reichenden, mit theueren Pelzen unterschlagenen, breitärmeligen Wollstoffmantel,
oder genannt. Beim Ausgehen aber wurde über alle bisher angeführten
Kleidungsstücke noch ein langer, weiter, bis an die Sohlen reichender, im Sommer mit
Seide, im Winter mit seltenem Rauhwerk versehener, „cköukea- genannter Stosstalar
angezogen. Der rothe Fes war die Kopfbedeckung der Männer, worüber beim Ausgehen ein
türkischer, genannter Shawl gewunden wurde. In neuerer Zeit aber trug mau eine
tiefe, oben mit Sammt eingelegte Bibermütze, ärmere Leute trugeu und tragen noch heute
hohe Lammfellmützen.
Die Frauen trugen ein ärmelloses, weites, den Ober- und Unterkörper bedeckendes,
bis an die Knöchel reichendes, farbenreiches, gewöhnlich seidenes, mit Goldschnüren auf-
geputztes, am Halse offenes Kleid, welches mittelst eines mit großen silbernen oder goldenen,
edelsteinbesetzten Spangen versehenen Gürtels eng um den Körper zusammengehalten wurde.
Darüber wurde eine zierliche Fermenea, dann noch eine aus Sammt, Seide oder Stoff
bestehende, mit sehr kostbarem Rauhwerk, Fuchs- oder Lammfellen unterschlagene Dnlama
getragen, welche die Armenierinnen noch heute zu Hause gerne anziehen.
Die Frauen bedienten sich des weißen Fes als Kopfbedeckung. Darüber wurde
je nach Stand und Vermögen ein seidenes oder wollenes Tuch derart geworfen, daß ein
Ende desselben dreieckähnlich auf den Rücken herabhing.
Männer und Frauen bekleideten ihre Füße entweder mit gelben Safianstiefeln
oder türkischen, gelbfarbigen, oder ,dus?inaksi« benannten spitzschnabeligen
Halbschuhen.
Beide Geschlechter pflegten sich, während sie müßig mit nach türkischer Art unter-
schlagenen Beinen auf den Divans saßen, zum Zeitvertreib großer Bernsteinrosenkränze,
,patküi« genannt, zu bedienen. Dieses Rosenkranzspielen, wie auch die türkische Art des
Divansitzens ist noch heute bei den Armeniern in Übung.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Volume 20
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bukowina
- Volume
- 20
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1899
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.14 x 21.77 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch