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Fahrwasser gelenkt. Der musikalische Standpunkt, den der Seminarchor heute einnimmt,
ist ein hervorragender: nicht nur homophone, sondern auch schwierige polyphone kirchliche
Tondichtungen gehören ins Programm seiner Aufführungen, über welche selbst Seine
Majestät, unser geliebter Herr und Kaiser, bei seinem Besuche der Bukowina im Jahre
1880 und weiland der Durchlauchtigste Kronprinz Rudolf im Jahre 1887 sich lobend
auszusprechen geruhten. Einheimische Musiker, welche den Geist des Chorgesanges
der griechisch-orientalischen Kirche erfaßten und sich durch Compositionen liturgischer
Chöre, Psalmen, Hymnen n. a. hervorgethan haben, sind Carl von Miculi, Eusebius
Mandyczewski, Isidor Worobkiewicz und Cyprian Pornmbesku. Auch der Verein für
geistliche Rhetorik und Musik orwäoxu«, der rumänische Gesangverein
„Armonia", der gemischte Chor des Staats-Ober-Gymnasiums und der Verein „Lumina"
tragen redlich das ihrige bei, um den Herrn der Welten in erhebenden Harmonien zu
lobpreisen und zu verherrlichen. Im Jahre 1882 wurde der Verein zur Pflege und Förderung
der römisch-katholischen Kirchenmusik in Czernowitz gegründet. Derselbe verfolgt als Zweck
die Förderung echter Kirchenmusik im Allgemeinen und die möglichst gelungene Aufführung
einzelner gediegener Tonwerke an kirchlichen Feiertagen.
Die Pflege des evangelischen Kirchenchorals hat sich der in jüngster Zeit gegründete
„Czernowitzer evangelische Kirchengesangverein" zur Aufgabe gesetzt und erfüllt dieselbe
in erfreulicher Weise. In der Kirche der griechisch-katholischen Russinen erklingt bei
gottesdienstlichen Handlungen ein erhebender Chorgesang, welcher durch das Zusammen-
wirken von Männer- und Frauenstimmen zum wahren Kirchenvolksgesange geworden ist.
Auch der Gesang für gemischten Chor im Czernowitzer jüdischen Tempel ist erwähnens-
werth. An jedem Sabath gelangen hier die gewöhnlichen rituellen Gesänge zur Aufführung,
während an hohen Festtagen beachtenswerthe Compositionen tadellos gesungen werden.
Musik der Rumänen. — Die Liebe zur Musik und Poesie hat im Herzen eines
jeden Rumänen tiefe Wurzel geschlagen. Ohne Lied, ohne Sang wäre sein Leben wie das
der Blume ohne Licht, ohne erwärmenden Sonnenschein. Die Melodik der rumänischen Volks-
lieder und Tanzweisen, dieser ungeschminkten Ergüsse der träumenden Volksseele, ist durchzuckt
von ruheloser Melancholie, von einem tief in die Seele einschneidenden Klagelaut. Die über-
mäßige Secunde der sechsten zur siebenten Tonstufe zum Leitton und die erhöhte Quarte
der Molltonleiter bilden den musikalischen Ausdruck für dieses charakteristische Merkmal.
Den ersten Platz unter den Volksliedern der Rumänen nimmt die elegische,
meditirende, balladenartige ckoina ein. Hieher gehören die ckoina cke Me (Trauer-Doina),
die äoina kaiciuesaseü, ckoina vomices-seä (Hajduken- nnd Helden-Doina), die Zoina
ciobaneusc ä. ckuina äe la munte (Hirten-Doina), die äoina ainor (Liebes-Doina) u. a.
Daran reihen sich Lieder an, die auf die Afsentirung der Burschen, den Jammer der Mutter
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Volume 20
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bukowina
- Volume
- 20
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1899
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.14 x 21.77 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch