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der Geschlechter wegen, namentlich für die weiblichen Kirchenbesucher bestimmt war, mußte
man nun durch Erweiterung des Pronaos zu einem besonderen Kirchenschiffe (dem
sogenannten Weiberstande) ersetzen und auf diese Weise kam man, und zwar in den
ehemaligen Donanfürstcuthümern fast ausschließlich, wieder auf den Langban zurück, der
gleichwohl mit der altchristlichen Basilika nichts anderes gemein hat, als die halbrunde
Hauptapsis, welche der byzantinische Kirchenban als — vom Naos oder Männerstand
durch die Bilderwand (Jkouostasis) getrenntes — Sanetnarium fortwährend beibehielt.
Die Grundform ging derart in die des lateinischen kleeblattartig gestalteten Kreuzes über,
wobei der Abschluß des Querschiffes durch halbkreisförmige, im Verbreitnngsgebiete des
Stiles völlig typisch gewordene Seitenapsiden erfolgt. Manchmal sind die letzteren blos
segmentförmig, oft ganz flach gestaltet und dann wohl gar nur aus der Mauerdicke
herausgeschnitten, ganz ausnahmsweise auch rechteckig gehalten.
Die Hanptapsis öffnet sich gegen den Naos mit dem vollen Gurtbogen, dem
Triumphbogen der Basilika, besitzt aber trotzdem einen geringeren Durchmesser als dieser.
Den Übergang vermitteln eingeschaltete breite Gurten mit successive abnehmender Weite,
wobei nicht selten gleichzeitig auch die Mittelpunkte, wohl der perspectivischeu Wirkung
wegen, allmälig etwas tiefer gewählt werden. Der Durchmesser der Seiteuapsiden ist
geringer, als jener der Hauptapside; der Anlauf ihrer Halbkuppeln liegt nicht selten in
einer anderen Horizontalebene, als jener der Traggnrten für die Hanptknppel. Nach außen
zeigen die Apsiden oft eine polygonale Form, welcher sehr häufig ein unregelmäßiges Zehu-
bis Vierzehneck zu Grunde gelegt ist, oder sie sind Halbkreis- oder segmentförmig, wohl
auch rechteckig gestaltet. Zwischen Naos und Pronaos besteht in der Regel eine massive, blos
von einer kleinen Thüre durchbrochene Wand; manchmal erscheint sie dnrch zwei mächtige,
mit Gurten unter sich verbundene Pfeiler oder Säulen ersetzt. In etlichen Kirchen wurde
vor wenigen Jahren erst an Stelle der Wand eine weite hohe Öffnung angeordnet.
Wie bereits erwähnt, besitzen manche Kirchen zwischen Naos nnd Pronaos
ein schmales Mittelschiff, das dann gewöhnlich der Höhe nach untertheilt erscheint. Die
selten fehlende Vorhalle ist entweder offen und von Säulen oder Pfeilern getragen oder
geschloffen und rechteckig, ausnahmsweise polygonal. In vielen Fällen wurde die Vorhalle
dem Gotteshause erst in späterer Zeit angefügt; an der Johanneskirche in Sereth umschloß
man nachträglich die offene, von Säulen umgebene Vorhalle; an der Kirche in Suczawitza
erscheinen vor den zwei Eingängen znr Vorhalle kleine offene Vorbauten angeordnet.
Nicht zu häufig ist der Naos blos mit einer, sogenannten blinden Kuppel überdeckt,
sonst trägt er auf feiueu vier Gurten, von denen die zwei seitlichen nur wenig über die
innere Manerflncht vortreten, eine Tambonrknppel; in der Bukowina besitzen nur einige
Kirchen mehr als eine Laternenkuppel.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Volume 20
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bukowina
- Volume
- 20
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1899
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.14 x 21.77 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch