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Besonders originell wird die Laternenkuppel an den Bukowiner und rumänischen
Kirchen — und für den moldanisch-byzantinischen Stil vollkommen typisch — im Äußeren,
hauptsächlich im Unterbau der Laternen, gestaltet. Derselbe besteht nämlich aus einem
quadratischen, meist nur niedrigen Sockel, welcher der äußeren Weite der Hauptgurten
entspricht und dem manchmal noch ein zweiter quadratischer Sockel von etwas geringeren
Dimensionen aufgesetzt erscheint. Darüber liegt ein verhältnißmäßig stark eingezogener
Sockel, merkwürdigerweise von sternförmiger Anlage. Die Theilung des Sternes hängt
aber mit der Theilung der Laterne im Allgemeinen nicht zusammen, welch' letztere äußerlich
fast immer regelmäßig achtkantig, oder vierkantig mit stark abgestnmpften Ecken, selten
rund erscheint; der gewöhnlich zwölf, selten acht oder sechzehn Spitzen zählende Stern
ist auch nicht immer ganz regulär gestaltet, sondern einzelne Spitzen treten mehr, andere
weniger weit vom Mittelpunkte desselben vor, und zwar sind diesfalls die gegen
die Seitenwände zu gerichteten Spitzen die längeren. Nicht selten liegt über diesem
sternförmigen Sockel noch ein zweiter kleinerer Sternsockel, der in seiner Theilung mit
der Theilung des unteren Sternes ebenfalls nicht immer übereinstimmt, nnd gewöhnlich
regelmäßig gestaltet erscheint. Vom oberen Sterne wird dann durch kleine Dachflächen
in Passender Weise der Übergang zur Laterne erzielt, wie dies auch beim Übergang vom
quadratischen zum sternförmig gestalteten Sockel der Fall ist.
Es ist nicht zu leugnen, daß die Laterne mit dem eben beschriebenen vielgegliederten
Sockel auf den Beschauer eine prächtige Wirkung ausübt, aber diese zu erreichen, scheint
bei den äußerlich im Allgemeinen sehr wenig gegliederten Kirchen wohl kaum Hauptzweck
gewesen zu sein; vielmehr wollte man durch die Sternform eine möglichst große Basis
gewinnen und das Übertragen des größeren Theiles der Kuppellast auf die durch die
vorgebauten Seitenapsiden an dieser Stelle verstärkten Seitenwände der Kirche erzielen,
bei gleichzeitiger, thunlichster Einschränkung der Last. Durch ausgiebige Verwendung des
oft aus sehr großer Entfernung herbeigeschafften leichten Tuffsteines hat man ebenfalls
das Gewicht zu verringern, sowie dnrch Einziehen von Holzbalken die Last entsprechend
zu vertheilen gesucht.
Sobald in der spätbyzantinischen Kunst die monolithe Knppel durch die Laternen-
kuppel ersetzt wurde, mußte sich selbstverständlich das Gotteshaus, um den Einklang
desselben mit der verhältnißmäßig erhöhten Knppel zu gewinnen, im Vergleich zu seiner
Breitenansdehnung der Höhe nach entwickeln. Jnsbesonders war dies bei den kleineren
Langbauten der Fall, bei denen man hauptsächlich mir durch eine mächtige Höhe imponiren
konnte. Die Richtigkeit dieser Ansicht erscheint schon durch den Umstand erwiesen, daß die
älteren Kirchen niedriger, die späteren, und namentlich solche mit vielem Aufwände
errichteten aber höher gehalten wurden. So sind die Hanptmanern in Woronetz, bei einer
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Volume 20
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bukowina
- Volume
- 20
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1899
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.14 x 21.77 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch