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baukuudige Athosmönche die Ausführung der Klosterbauten, und zwar mit Beihilfe der
bereits hier eolonisirten deutschen Handwerker und namentlich der Steinmetze besorgten.
Das Letztere geht aus der allgemeinen Anwendung der in der Moldau infolge der
vielfachen Beziehungen des Landes mit Siebenbürgen, Polen und Deutschland bekannt
gewordenen gothischen Detailformen hervor; auch gehören die in den Kirchen des Klosters
Humora, in Snczawa :c. anfgefundenen Steinmetzzeichen ihrem Schriftcharakter nach
nnzweifelhaft der deutschen Steinmetzbruderschaft aus der bezüglichen Banzeit, das ist der
ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts an.
Ein großer Theil der Bnkowiner Kirchen sind Holzbauten. Zumeist nur ganz
klein, oft kaum über 10 bis 12 Meter lang, sind sie fast allgemein aus Blockwänden
hergestellt. Ihre Grundform gleicht im Wesentlichen jener der steinernen Kirchen, nur sind
die Ausbauten polygonal gestaltet, manchmal fehlen die Seitenapsiden. Die Vierung ist
oft mit einer ins Achteck übergehenden, ebenfalls im Blockbau constrnirten Knppel überdeckt,
welche in manchen Fällen eine Laterne trägt. Die in der Pfarrgemeinde Pntna stehende
Holzkirche ist wohl die älteste ihrer Gattung und, der Sage nach, überhaupt die älteste Kirche
in der Bukowina. Der Fürst Dragosz soll sie nämlich im Jahre 1346 in Wollowetz
errichtet haben, von wo aus sie Stefan der Große, 1468, nach ihrem jetzigen Standplatz
übertragen ließ. Naos nnd Apsiden sind aus Eichenholz hergestellt, der Pronaos besteht
ans weichen Balken und stammt aus späterer Zeit. In dem bereits erwähnten Bilde
des Klosters Putua aus der Mitte des X VIII. Jahrhunderts ist diese Kirche rechts neben
dem Kloster ersichtlich. Durch correcte technische Ausführung, Schnitzarbeiten, besonders
Kerbschnittverzierungen unter theilweiser Verwendung von Farben zeichnen sich unter
anderen die 1698 vom Fürsten Johann Theodor Kallimach in Kimpolung errichtete, seit
1887 in Cznmurua befindliche Nikolauskirche; die aus dem Jahre 1783 stammende Christi-
Himmelfahrtskirche in Wama; namentlich aber die mit drei Kuppeln überdeckte Kirche in
Zastawna, sowie die im Jahre 1895 in Stobodzia-Komarestie aufgestellte, leider in
Lindenholz hergestellte, 1744von JgnmenJfaias gestiftete ehemalige Klosterkirche in Rewna
aus. Die zwei Dachspitzen sowohl als die Kuppel sind hier mit zierlichen laternenartigen
Aufsätzen bekrönt; ihr malerisches Aussehen gewinnt noch durch die gemusterte Schindel-
Verkleidung der Wände. Historisches Interesse besitzt die im Jahre 1774 vom Radantzer
Bischof Dositheu Cherefkul in Czernowitz erbaute, 1874 nach der Vorstadt Kloknczka über-
tragene einfache Holzkirche, in welcher im Jahre 1777 die Huldigung der Bukowina vor
dem kaiserlichen Abgeordneten, Feldwachtmeister Gabriel Freiherrn von Splenyi stattfand.
Kein einziges Standbild schmückt das orientalische Gotteshaus. Der Plastik wurde
überhaupt nur iu architektonischen Detailformen und Ornamenten, sowie in den Kleinkünsten
die nöthige Pflege zu Theil.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Volume 20
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bukowina
- Volume
- 20
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1899
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.14 x 21.77 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch