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Stanropigianische Institut in Lemberg einen dem XVI. Jahrhundert ungehörigen Buch-
einband eines Evangel iums aus Snczawa; Suczawitza mehrere Evangelien aus den
Jahren 1K05 bis 1607 von Jeremias Mogila. In diesem Kloster wird auch ein jüngeres,
sehr kostbares, großes Evangeliumbuch vom Jahre 1781 aufbewahrt, dessen figürliche, in
ovale Felder vertheilte uud mit Ornamenten umgebene Reliefs eine vorzügliche Meister-
hand bekunden. An den aus dem ersten Viertel des XVII. Jahrhunderts stammenden
silbernen Einbanddecken des Klosters Dragomirna erscheint bei den Umrahmungen der
verknüpfte Wulst angewendet. Reiche Beschläge zeigen ferner einzelne Bilder. Entweder ist
blos der Rahmen, der Heiligenschein oder der Hintergrund — wie an einem kleinen
Muttergottesbilde in Suczawitza — oder es ist in byzantinischer, heute namentlich in
Rnßland üblicher Art, alles mit Ausnahme des Kopfes, der Hände, beziehungsweise der
Füße Plastisch in Metall gestaltet, wie an einem alten Bildchen in Pntna. Unter den Schätzen
des letztgenannten Klosters wird übrigens noch ein von Kaiser Emanuel Paläologos
herstammendes Mnttergottesbild, das mit Gold und Edelsteinen reich geschmückt ist,
angeführt.
Von den Objecten der Kleinkunst in Edelmetall muß des wahrscheinlich die Hälfte
einer Mantelschlicße darstellenden, im Jahre 1892 zu Meretzei aufgefundenen, mit
Almandinplättchen besetzten massiven Goldschmuckes gedacht werden, der, wie ein bohnen-
förmiger, im Übrigen gleich behandelter Goldknopf an den bekannten Schatz von Petroaffa
in Rumänien erinnert: beide Gegenstände befinden sich im Bukowiner Landesmnseum.
Der Vollständigkeit halber ist noch bezüglich der Kleinplastik anzuführen, daß
schon Bogdan I. moldauische Müuzen prägen ließ, daß aber die erste Münzstätte hier,
und zwar in Snczawa, erst unter Heraklides nach der Mitte des XVI. Jahrhunderts
ins Leben trat. Ende des vorigen Jahrhunderts errichtete ferner Rußland in Sadagöra
eine Münze, in welcher allerdings nur Kupferstücke geprägt wurden. Hohen Werth legten
die Wojewoden auf eine reiche Ausstattung ihrer mit dem moldauischen Wappen geschmückten
Siegel, deren Abdrücken wir zahlreich in den alten Urkunden begegnen.
Die Meister der besprochenen Werke der Kleinkunst werden wir in den seltensten
Fällen in der Bukowina, überhaupt iu den ehemalige» Donaufürstenthümeru selbst zu
suchen haben, mit Ausnahme etwa der Holz- und insbesonders der Miniatnrschnitzereien.
Diese mögen wohl von einzelnen knustgeübten Mönchen herrühren, welche direct oder
indirect zum byzantinischen Kunstcentrum der damaligen Zeit, der wiederholt erwähnten
Athosinsel, in Beziehungen standen; in späterer Zeit nahmen sich dieser Arbeiten auch eigene
Dorfkünstler an. Die Gegenstände in edlen Metallen werden fast ausschließlich auswärts
hergestellt worden sein, wie dies besonders bezüglich der von Stefan dem Großen dem
Kloster Putua gewidmeten im Allgemeinen bemerkt wird. Im Besondere» wissen wir,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Volume 20
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bukowina
- Volume
- 20
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1899
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.14 x 21.77 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch