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ornamentaler Bemalung. Die Fresken der Radautzer Kirche stellen letztere auf der
Widmnngswand ohne Vorhalle dar, ein Beweis, daß die Ausmalung vor Errichtung
der Vorhalle, das ist vor 1559 erfolgte. An der 1488 erbauten ehemaligen Klosterkirche
Woronetz ließ die Malerei inschriftlich der Metropolit Gregor Roszka, 1546, mit dem
Bau der Vorhalle herstellen oder vielleicht nur erneuern, wie beispielsweise ja auch die
Kuppel zu Watra-Moldawitza zwei Schichten von Malereien trägt. Dermalen erscheinen
mehr oder weniger vollständig die Kirchen zu Woronetz, St. Jllie, Arbora, Klosterhumora,
Watra-Moldawitza, Suczawitza und die St. Georgskirche in Suczawa bemalt; nur innen
die Demetriuskirche in Suczawa, sowie die Kirchen in Radantz, Badentz, Petrontz
Parhoutz, Dragomirna, Horeeza. An einigen dieser Kirchen wurde die bestandene Außen-
malerei übertüncht oder völlig abgeschlagen. Die außen nicht bemalte Klosterkirche
Dragomirna, deren Vorhalle — des Ablebens des Stifters wegen — in ihrer Bemalung
unvollendet blieb, war jedenfalls auch für Außeubemalung projeetirt. An vielen Kirchen,
wie Pntna, Solka :c. ist die Malerei infolge späterer Renovirnngen vollständig
verschwunden. Wie an manchen georgischen Kirchen zerstörten oder schädigten auch in
der Bukowina Tataren einzelne Malereien, z. B. in Watra-Moldawitza.
Über die künstlerischen Urheber der Wandmalereien selbst besitzen wir keinerlei
bestimmte Nachrichten und es ließen sich auch bis jetzt keine Namen auf den Bildern
selbst finden. Blos vereinzelte Sagen beschäftigen sich mit den Freskomalern; so eine mit dem
der Klosterkirche Suczawitza: Erst nach langem Suchen konnte ein tüchtiger Künstler
gefunden werden; inmitten der Arbeit aber, und zwar gelegentlich der Herstellung der
Außenmalerei, stürzte er vom Gerüste und blieb auf der Stelle todt, weshalb die äußere
Bemalung auch nicht zu Ende geführt werden konnte. Eine andere Sage erzählt von dem
unglücklichen Ende des Malers der Kirche Watra-Moldawitza, den Fürst Peter Raresz
köpfen ließ. Vergleichen wir indeß die hiesigen Malereien, sowohl was den Inhalt derselben,
als die Vertheilung, Detailbehandlung und technische Durchführung anbelangt, mit jenen
der Klöster vom Berge Athos, so finden wir, fast bis ins kleinste Detail, eine völlige
Übereinstimmung. Über die Kirchenmalereien des Athos unterrichtet uns das bekannte
„Handbuch der Malerei vom Berge Athos", das aus dem XVI. Jahrhundert stammen
dürfte und den Maler Priestermönch Dionysios zum Verfasser hat. Für seine eigene
Thätigkeit diente ihm ein Meister des XII. Jahrhunderts, Manuel Panselinos — wie er
bescheiden sagt — als unerreichbares Vorbild. Die in dem Handbuche niedergelegten
ikon»graphischen Beschreibungen passen nun in jeder Beziehung auf die moldauisch-
byzantinischen Kirchemnalereien, wie man dies aus ihrer Vergleichuug mit den einzelnen
Darstellungen leicht ersieht, z. B. der Darstellung des jüngsten Gerichtes, der Jacobs-
leiter, der Gastfreundschaft Abrahams n. s. w. Aber auch die technische Ausführung
zg»
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Volume 20
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bukowina
- Volume
- 20
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1899
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.14 x 21.77 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch