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hiezn und genehmigte im Jahre 1863 die von dem Architekten Josef Hlävka verfaßten
Pläne. Mit dem erzbischöflichen Residenzgebäude stehen das griechisch-orientalische
Seminarinm nnd das sogenannte Priesterhans derart in Verbindung, daß diese Gebäude
den großen, mit einem mächtigen Portal abgeschlossenen Vvrhos umgeben. Rückwärts
reihe» sich an die Gebäude der Seminargarten, der prächtige Residenzpark und der Wirth-
schaftshof. Im zweifarbigen Ziegelrohbau gehalten nnd mit glasirten Ziegeln eingedeckt,
wurde der monumentale Bau, namentlich in seinen Detailformen, mit freier Benützung
der moldauisch-byzantinischen Motive an den Bnkowiner Klosterkirchen errichtet und zeigt
an sich eine seltene Stilreinheit, die sich bis auf das geringste Einrichtungsstück erstreckt.
Geradezu ein Kleinod der Baukunst bildet die kleine, im Hauptgebäude befindliche Haus-
kapelle zum heiligen Johannes Novi; hervorragend in ihrer Durchführung ist ferner
die prächtige, mit dem Seminargebände in Verbindung stehende Seminarkirche. Von
imponirender Wirkung ist der 22 Meter lange und 16 Meter breite Synodalsaa l , der
mit seinen Säulengalerien, seinen Wandverkleidungen aus Bukowiuer Alabaster, seiner
hochgelegenen, farbenreichen Holzdecke, seinen religiösen und historischen Fresken, seinen
massigen Kronleuchtern und seinem sonstigen Menblement einen sascinirenden Eindruck
macht. Reiche und edle Pracht entfaltet sich auch im Speise- sowie im großen Empfangs-
saale. Der Bau begauu im Jahre 1864 und wurde, besonderer Hindernisse wegen, erst im
Jahre 1882 vollendet. Der Bauaufwand betrug rund Millionen Gulden.
In Ziegelrohbau und mit Benützung romanischer nnd byzantinischer Formen aus-
geführt ist die armenisch-katholische Kirche in Czernowitz. Zu beiden Seiten der
offenen Vorhalle besitzt sie niedrige, mit Zeltdächern versehene Thürme, während sich über
der Vierung eine zeltförmig abgedeckte Laternenkuppel erhebt. Der Plan rührt ebenfalls
vom Architekten Josef Hlävka her; die Ausführung fällt in die Jahre 1869 bis 1875.
Edel in Anlage und Durchführung ist der in maurischem Stile von Julian Ritter von
Zachariewiez in Lemberg geplante, 1873 bis 1878 errichtete israelitische Tempel.
Die neuere Architektur in der Bukowina verdankt ihre Förderung dem Baudepartement
der Laudesregierung, dem städtischen Bauamte und ganz besonders der im Jahre 1873
errichteten Staatsgewerbeschule in Czernowitz, aus welcher bereits eine Anzahl tüchtiger
Baumeister hervvrgaugeu ist. Außer den einfachen Bauten des kürzlich bedeutend erweiterten
Gymnasiums, der Realschule, der Lehrerbildungsanstalt, verschiedener Kasernen und
zahlreichen Gerichts- und Verwaltungsgebäude» in den Prvvinzstädten wurden durch
das Regiernngs-Baudepartement die imposanten Gebäude der Landesregierung und der
Kaiser Frauz-Josephs-Uuiversität in Czernowitz, sowie im Jahre 1894 die elegant
durchgeführte Priorswohnung im Kloster Suczawa, endlich die 1898 vollendete griechisch-
orientalische Kirche in Rosch, letztere nach den Plänen des k. k. Baurathes G. Sachs iu
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Volume 20
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bukowina
- Volume
- 20
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1899
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.14 x 21.77 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch