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Instandhaltung des frisch gerodeten Bodens auch nicht erforderlich; ein plumper Pflug
mit hölzernem Streichbrett, eine hölzerne Egge, eine uothdürftig mit Eisenblech
beschlagene Holzschaufel, ein hölzerner Wagen ohne jedweden Eisenbestandtheil, das
waren die damals gebräuchlichen Wirthschaftsgeräthe. Mit Ausnahme des Maisanbaues
für den Hausbedarf war die Eerealienprodnetion eine so geringe, daß zur Erzeugung des
Branntweines Körnerfrucht aus dem benachbarten Galizien importirt werden mnßte. Anf
den von staatlichen Organen in eigener Regie und von den Domänenpächtern bewirth-
schafteten Staats- und Religionsfondsgütern sowie auf den von den Ansiedlern bewirth-
schafteten Gründen wurde der Anbau des Weizens und des Roggens, des Hafers und der
Gerste eingeführt, auch die Kartoffel wurde bekannt, doch gewann sie erst in den Nothjahren
1812 bis 1816 volle Werthschätzung und allgemeinere Verbreitung. Die Dreifelderwirth-
schaft mit ausgedehnter Brache trat vielfach an Stelle der ganz ungeregelten extensiven
Wirthschaft. Da die Bauern bei dem bestehenden Unterthänigkeitsverhältnisfe auf den
Fonds- und Eameralgütern die herrschaftlichen Felder von der Saat bis zur Fechsung
bearbeiten und auch den Ausdrusch bewerkstelligen mußten, so hatten sie genugsam
Gelegenheit, eine wenn auch primitive, so doch im Bergleiche mit der von ihnen betriebenen
Bewirthschaftung fortschrittliche Bearbeitung des Ackerbodens kennen zu lernen und wurden
durch die hier gemachten Wahrnehmungen und erzielten Erfolge sowie dnrch den rasch aus-
blühenden Wohlstand der Ansiedlerwirthschaften zur Nachahmung angeregt.
Ein großes, nicht hoch genug anzuschlagendes Stück Culturarbeit auf landwirth-
fchaftlichem Gebiete leistete für die Bukowina die k. k. Staatsgestüts-Wirthschafts-
Direction in Radantz. Die Religionsfonds-Herrschaft Radantz, ein zusammenhängender
Complex von 29'5/„ Quadratmeilen, war ursprünglich eine von Privaten, größtentheils
aber von den Fürsten der Moldau, für das Bisthum Radautz und für die griechisch-
orientalischen Klöster Putua, Suezawitza und St. Jllie gestiftete Dotation, die im Jahre
1786 in Folge des geistlichen Regulirungsplanes dem Bukowiner griechisch-orientalischen
Religionsfonde iueorporirt uud in Staatsverwaltung übernommen wurde. Bis zum
Jahre 1792 wurde diese Herrschaft für den eben genannten Fond durch die von der
k. k. Staatsgüter-Administration im Dorfe Fratantz aufgestellte Eameral-Wirthschasts-
Berwaltuug in eigener Regie bewirthschaftet.
DerSchöpfer des österreichischen Remontirnngswesens, der nachmaligeFeldmarschall-
Lientenant, damals Major Cavallar, bewirkte die Wahl der Herrschaft Radautz zur
Errichtung eines k. k. Staatsgestiites. Dieselbe wurde vom 1. Mai 1792 dem k. k. Hof-
kriegsrathe gegen einen an den Bukowiner griechisch-orientalischen Religionsfond zu
leistenden jährlichen Pachtschilling zur Beförderung der k. k. Staatsgestütsanstalt in
unbeschränkte Benützung übergeben. Der General-Gestüts- und Remontirnngs-Jnspector
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Volume 20
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bukowina
- Volume
- 20
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1899
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.14 x 21.77 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch