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wald bedeckte Berg gehört jetzt größtentheils dem Grafen Robert Zselenßky; seine
südliche Flanke ist mit Reben bepflanzt. Salänk gehörte Franz Räköczi II., der hier im
Jahre 1711 mit seinen Regierungsräthen die letzte Berathung hatte.
Östlich von Salänk gelangt man in bergige, hügelige Gegend, unter arme
Nuthenen, in deren Dörfern das Pfarrhaus der einzige bessere Bau ist, das Übrige aber
aus strohbedeckteu Hütten von Holz oder Luftziegeln besteht.
In neuerer Zeit ist die Regierung und auch die Gesellschaft bestrebt, die Lage der
Ruthenen zu verbessern. Vorläufig bemüht man sich, die Entwicklung der Hausindustrie
zu fördern. So ist in Olyvös eine Schafwoll-Vorschußanstalt ins Leben gerufen, so daß
das Volk aus creditirter Schafwolle Grobtuchmäntel und Teppiche verfertigt, nach deren
Verkauf es den Preis der erhaltenen Wolle recht pünktlich und gewissenhaft erstattet. In
Veresmart , S a s v ä r und Pe te r fa lva wird das Volk in der Korbflechtern unter-
wiesen. Die Kinder haben sich darin eine ganz besondere Fertigkeit angeeignet und
flechten aus den Weidenruthen, die an den Theißufern reichlich wachsen, sehr brauchbare
und hübsche Körbe für die Obstverseudung. Außerdem beschäftigt man das Volk mit der
Verfertigung von Thonwaren, Hacken- und Sensenstielen, Besen und Wurfschaufeln, die
Verwerthung aber wird durch eine organisirte Commission für Entwicklung der Industrie
besorgt.
Die bedeutendste Gemeinde der Ruthenen ist Magyar-Komjät , mit 2800 Ein-
wohnern, die trotz des magyarischen Ortsnamens fast sämmtlich Ruthenen sind. Der
Ort liegt auf mehreren Hügeln über dem fruchtbaren Borzsathale, das zum Theil
schon dem Bereger Comitate angehört. Die neue griechisch-katholische Kirche ist die
größte im Comitat. Bei Komjät dehnt sich der Vidras-Sumpf aus, ein etwa
10 Quadratkilometer großes Gebiet voll Weiden- und Rohrbestände, durch das
vom Bereger Comitat her der Jlosvabach fließt. In Vidräs werden viel Krebse
und Moorgrundeln gefangen und es wird auf Wildenten, Wildgänse und Fischottern
gejagt. Nordöstlich von Magyar-Komjat liegen die Ortschaften Nagy-Räköcz nnd
Kis-Raköcz.
Von Nagy-Szöllös führen unter den Weingärten des Feketehegy entlang die
Eisenbahn und eine gute Landstraße an die Theiß, wo zwei mächtige Brücken, eine östlich
nach Kirälyhaza, die andere südlich nach Tekehäza führen.
Jenseits der Eisenbahnbrücke ist in wenigen Minuten Kirälyhaza erreicht, eine
große Station, wo die Züge von Debrezin und von Szerenes nach Märamaros-Sziget
zusammentreffen. Der Ort liegt unter dem Nyaläber Burghügel in offenem Flachlande.
Sein Name (Königshaus) kommt daher, daß nach der Überlieferung Wladislaus II. hier
längere Zeit als Gast der Herren von Nyaläbvär geweilt hat.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (6), Volume 21
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (6)
- Volume
- 21
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1900
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.25 x 21.79 cm
- Pages
- 500
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch