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Der Pflug in seiner primitivsten Forin, ähnlich wie er zur Römerzeit verwendet
wurde, furchte noch vor kanm zwei Jahrzehnten die meisten Äcker, und auch heute noch
findet man ihn nnr wenig verändert in jenen Theilen des Landes, wohin die Cultur der
neuen Ära noch nicht zu dringen vermochte.
Aus dem großen Viehreichthum konnte nur ein sehr beschränkter Nutzen gezogen
werden, da die Grenze gegen die Monarchie wegen der fast ununterbrochen herrschenden Vieh-
seuchen fiir die Viehausfuhr gesperrt war und ein Export dorthin nicht stattfinden konnte. Die
Producenten waren daher derHanptsache nach auf den Absatz im Innern des Landes beschränkt.
Da das Ackerland blos ein Fünftel derGefammtarea desLandes einnimmt,während
Weide und Wald drei und ein halbes Fünftel bedecken, beruht die Bodennutzung haupt-
sächlich auf der Viehwirtschaft und besteht in manchen Gegenden des Landes znm aller-
größten Theile nur in dieser. Aber auch in Gegenden, welche eine bedeutende Ausdehnung
des Feldbaues gestatten würden, nimmt in Folge der angeborenen Bequemlichkeit des
Volkes die Viehzucht unverhältnißmäßig viel Raum ein.
Die Weidenutzung der Flächen ist mit wenig Mühe verbunden, und in früheren
Zeiten hatte der Besitz lebenden Viehes noch den Vortheil, daß dieses bei einer eventuellen
Flucht sich selbst weiter beförderte, demnach ohne Schwierigkeiten in den Zufluchtsort
mitgeführt werden konnte. Auch hatte der Kmet von seinen Viehstücken an den Grundherrn
keine Giebigkeit zu entrichten, was nicht wenig dazu beitrug, daß die Viehzucht auch in jenen
Gegenden, wo sie zufolge der Bodenverhältnisse nicht dominiren sollte, an erster Stelle
belassen wurde. Die Thierhaltung ist daher ihrer Ausdehnung nach der vornehmste
Prodnetionszweig des ganzen Gebietes, konnte jedoch dem Lande nicht jene Einnahmen bieten,
welche bei halbwegs entsprechender Zucht und angemessener Pflege des Viehstandes, sowie
bei Einrichtung eines geregelten Veterinär-polizeilichen Dienstes hätten erzielt werden können.
Wenn wir die Hauptmängel, welche den einzelnen landwirthschaftlichen Betriebs-
zweigen anhaften, näher betrachten und mit dem Feldbau beginnen, so muß vor Allem
gesagt werden, daß der Bauer in den seltensten Fällen wußte, was sein Boden hervorzu-
bringen vermag. Auf die Gestaltung der Ernte, welche als nur von der unabwendbaren
Fügung Gottes abhängig angesehen wurde, muthete er sich nicht den geringsten Einfluß
zu und hatte auch keine Vorstellung, daß er seinen Ernteertrag durch entsprechende
Bearbeitung und Behandlung des Bodens wesentlich heben könne.
Die Ackerung, welche der Landmann seinem Felde gab, ehe er ihm das Saatgut
anvertraute, genügte in der Regel nur, um den Samen so weit mit Erde zu bedecken, daß
er den Blicken der zahllosen Krähen- und Taubenschaaren entzogen war.
Das Saatgut der ärmeren Bauern war meist lange vor dem Herannahen der
Saatzeit aufgezehrt, und der Ersatz mußte unter den drückendsten Bedingungen vom
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bosnien und Herzegowina, Volume 22
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Bosnien und Herzegowina
- Volume
- 22
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.34 x 22.94 cm
- Pages
- 536
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch