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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Band 22
Seite - 436 -
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436 Der Pflug in seiner primitivsten Forin, ähnlich wie er zur Römerzeit verwendet wurde, furchte noch vor kanm zwei Jahrzehnten die meisten Äcker, und auch heute noch findet man ihn nnr wenig verändert in jenen Theilen des Landes, wohin die Cultur der neuen Ära noch nicht zu dringen vermochte. Aus dem großen Viehreichthum konnte nur ein sehr beschränkter Nutzen gezogen werden, da die Grenze gegen die Monarchie wegen der fast ununterbrochen herrschenden Vieh- seuchen fiir die Viehausfuhr gesperrt war und ein Export dorthin nicht stattfinden konnte. Die Producenten waren daher derHanptsache nach auf den Absatz im Innern des Landes beschränkt. Da das Ackerland blos ein Fünftel derGefammtarea desLandes einnimmt,während Weide und Wald drei und ein halbes Fünftel bedecken, beruht die Bodennutzung haupt- sächlich auf der Viehwirtschaft und besteht in manchen Gegenden des Landes znm aller- größten Theile nur in dieser. Aber auch in Gegenden, welche eine bedeutende Ausdehnung des Feldbaues gestatten würden, nimmt in Folge der angeborenen Bequemlichkeit des Volkes die Viehzucht unverhältnißmäßig viel Raum ein. Die Weidenutzung der Flächen ist mit wenig Mühe verbunden, und in früheren Zeiten hatte der Besitz lebenden Viehes noch den Vortheil, daß dieses bei einer eventuellen Flucht sich selbst weiter beförderte, demnach ohne Schwierigkeiten in den Zufluchtsort mitgeführt werden konnte. Auch hatte der Kmet von seinen Viehstücken an den Grundherrn keine Giebigkeit zu entrichten, was nicht wenig dazu beitrug, daß die Viehzucht auch in jenen Gegenden, wo sie zufolge der Bodenverhältnisse nicht dominiren sollte, an erster Stelle belassen wurde. Die Thierhaltung ist daher ihrer Ausdehnung nach der vornehmste Prodnetionszweig des ganzen Gebietes, konnte jedoch dem Lande nicht jene Einnahmen bieten, welche bei halbwegs entsprechender Zucht und angemessener Pflege des Viehstandes, sowie bei Einrichtung eines geregelten Veterinär-polizeilichen Dienstes hätten erzielt werden können. Wenn wir die Hauptmängel, welche den einzelnen landwirthschaftlichen Betriebs- zweigen anhaften, näher betrachten und mit dem Feldbau beginnen, so muß vor Allem gesagt werden, daß der Bauer in den seltensten Fällen wußte, was sein Boden hervorzu- bringen vermag. Auf die Gestaltung der Ernte, welche als nur von der unabwendbaren Fügung Gottes abhängig angesehen wurde, muthete er sich nicht den geringsten Einfluß zu und hatte auch keine Vorstellung, daß er seinen Ernteertrag durch entsprechende Bearbeitung und Behandlung des Bodens wesentlich heben könne. Die Ackerung, welche der Landmann seinem Felde gab, ehe er ihm das Saatgut anvertraute, genügte in der Regel nur, um den Samen so weit mit Erde zu bedecken, daß er den Blicken der zahllosen Krähen- und Taubenschaaren entzogen war. Das Saatgut der ärmeren Bauern war meist lange vor dem Herannahen der Saatzeit aufgezehrt, und der Ersatz mußte unter den drückendsten Bedingungen vom
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bosnien und Herzegowina, Band 22
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bosnien und Herzegowina
Band
22
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1901
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.34 x 22.94 cm
Seiten
536
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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