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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Volume 22
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Page - 492 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bosnien und Herzegowina, Volume 22

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492 Diese Theilung der gewerblichen Thätigkeit nach der technisch-productiven (Kleinmeister) und der commerciell-vermittelnden (Verlagsmeister) Seite wurde durch Organisationen sanctionirt, welche die ganze städtische, sowie einen Theil der die Städte umgebenden ländlichen Bevölkerung umfaßten. Diese Organisationen waren die Zünfte (esnaks)'). Es würde den gegebenen Rahmen weit überschreiten, wollte ich mich hier in Einzelheiten über diese überaus interessanten Gewerbsgenossenschaften ergehen. Nur so viel sei erwähnt, daß diese Institution von den Türken in das eroberte Bosnien gebracht wurde. Die Türken hatten die Zunftverfassung mit vielem Anderen aus dem Chalisenreich der Araber ererbt. Berufsverbände waren aber schon im alten Perserreich, hauptsächlich jedoch in Ägypten die Grundlage der Wirthschaftsordnung. Die Zünfte (esnals) sind in der Form wenigstens, in welcher wir sie bei dem mohammedanischen Theil der Bevölkerung antreffen, eine importirte Einrichtung. Sie sind die Hüterinnen über die Ehrsamkeit (das »kallal--Arbeiten) des Handwerks, über die Ordnung (jol) in Production und Handel. Die Zuustregeln wurden zumeist mündlich von Geschlecht zu Geschlecht überliefert. Sie sind die Wiege eines ganz eigenartigen Volksrechts in Handel und Verkehr geworden. Hie und da schlössen sich die Zünfte sogar zu Productivgenossenschaften zusammen, wie die Fleischer, Gerber, Opankenmacher und Riemer. Sowohl Mohammedaner wie Christen wurden, bald gemeinsam, bald getrennt, durch das Band der Zunft umschlossen. Die Christen hatten besonders durch die Zunft die Steuer aufzubringen. Die Zunft sorgte für Alters- und Krankenunterstützung, für Witwen und Waisen, selbst für die Speisung der Gefangenen. An der Spitze der Zunft steht der »öekaja"^). Er ist der „Zunftmeister" der deutschen Zünfte. Nächst ihm ist der kalka-dasi oder Mt-daSi, der Gesellenaufseher, der, welcher insbesondere die Lohnsätze feststellen und alle Angelegenheiten mit den Verlags- arbeitern, Gesellen und Lehrlingen zu coutrolireu hatte. Mehr ein Titel als ein Amt war die Würde des usta dasi^) oder nach der Zunft genannt, kuMnäxi-baZi^), ter?i-basr'), t-ur^i-daSi^) :c. Heute würde man sie „Hoflieferanten" nennen. Es wurden diejenigen so genannt, welche für hohe Beamte oder Militärs oder gar für den Stambnler Hof Waaren zu liefern hatten. Jede Zunft besaß ihr Banner (dkyralc, kalem) und es war eine oft mit schwerem Gelde erkaufte Ehre, das Banner bei festlicher Gelegenheit tragen zu dürfen (bl^i-Aktar alem-äar).') Eine sehr wichtige Person war der der Zunftfeldwebel. Er war das Executivorgan des eekaja, seine rechte Hand, er übte die Gewerbe- nnd Handelspolizei aus. !) »LsnÄf- ist der Plural des arabischen Wortes welches ebenfalls „Znnft" bedeutet. >) Türkisch Das Wort ist, wie viele andere im Sprachschatz der „ssnüt's- vorkommende Bezeichnungen, persischen Ursprungs: „Icetlioäa" bezeichnet das Familienhaupt. 2) ,basi- bedeutet Haupt, Chef, „usta" Meister. *) Chef der Goldschmiede. 5) Chef der Schneider. '') Chef der Kürschner. ?) Zunftbannerträger.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bosnien und Herzegowina, Volume 22
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Bosnien und Herzegowina
Volume
22
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1901
Language
German
License
PD
Size
15.34 x 22.94 cm
Pages
536
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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