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Am 12. Juli. 369
doch auf das Zureden des Abtes, der Mönche und seines Sohnes
zufrieden, ertheilte diesem dcn väterlichen Segen, und die Ermah-
nung, daß er, weil er den Mönchsstand gewählt, in demselben die
höchste Vollkommenheit erstreben solle.
Schon in seinem Probejahre erlangte Johannes Gualbertus
einen hohen Grad der Vollkommenheit, die er auf das einzig feste
Fundament aller wahren Vollkommenheit, auf die Demuth gründete.
Durch Wachen, Fasten und andere Kasteiungen des Leibes crtödete
er das Fleisch, durch Gebeth und heilige Betrachtung belebte er dcn
Geist, durch pünktlichen Gehorsam bewährte er die Verlä'ugnung des
eigenen Willens. Er machte sich seinen Mitbrüdcm so verchrungs-
würdig, daß sie ihn, als bald nach dem zurückgelegten Noviziate der
Abt starb, einstimmig zu dessen Nachfolger erwählten. In seiner
tiefen Demuth schlug er aber mit unerschütterlicher Standhaftigkeit
diese Würde aus. Ein Mönch, .Hubert mit Namen, riß dieselbe auf
simonischcm Wege an sich. Dieses, und die Neigung zu einer stren-
gern Lebensart, als sie im Kloster St. Miniat beobachtet wurde,
bewog ihn, diesen Ort zu verlassen. Nachdem er mehrere Klöster
besucht hatte, kam er mit eincm andern Mönche nach Camaldoli,
unweit Arezzo, auf dem apenninischcn Gebirge, wo er einige Jahre
verweilte. Auch hier setzte er sich durch seine glänzenden Vorzüge
bei den Brüdern in solche Verehrung, daß der Prior des Klosters
ihn zu bewegen suchte, die Priesterweihe anzunehmen, und dieser
Ordensgcnossenschaft sich auf immer einzuverleiben. Er war aber
dazu nicht zu bewegen. Er verließ Camaldoli, weil er der Regel
dieses Klosters die des heiligen Benedikt vorzog, und verfügte sich
mit seinem Gefährten nach Wallombrosa (Schattenthal), welcher Ort
ebenfalls auf dem apenninischen Gebirge lag, und so genannt wurde,
weil das Thal von den umherliegenden Gebirgen beschattet wurde.
Hier traf er den Paul und den Gunthelm, zwei Schüler des heili-
gen Romualds, an. Sie erbauten sich Anfangs abgesonderte Zellen,
und widmeten sich mit heiligem Eifer dem beschaulichen Leben nach
der ursprünglichen Regel des heiligen Benedikt.
Der Ruf der Heiligkeit des Johannes zog ihm bald viele
Schüler, Geistliche, Laien und Mönche zu. Er erbaute daher, nach-
dem er von der Äbtissin des Klosters St. Hilar, nebst andern Ga-
ben auch Grund und Boden erhalten hatte, ein Kloster, welches er
nach der eben erwähnten, jedoch mit einigen Zusätzen vermehrten,
Regel des heiligen Bcnedikt einrichtete. Er war sehr vorsichtig in
der Wahl derjenigen, die er in seine Genossenschaft aufnahm. Die
Aufgenommenen mußten ein strenges Probejahr bestehen, und sich
insbesondere schweren Uebungen der Demuth und der Sclbstverläug-
nung unterwerfen. In jeder Uebung stellte sich Johannes als Vor-
Zweiter Band. 24
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen