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Am 17. August. 575
und Mitleids, die schnell erwachten, und in herrliche Thaten
übergingen, soba.'d sie durch die Stimme der Unglücklichen geweckt
wurden. .
Kleine Seelen sind nur kleiner Handlungen fähig; aber große
Seelen ergießen sich in große Handlungen, und fordern einen aus-
gebreiteten Wirkungskreis. Dem heiligen Rochus war es viel zu
wenig, den Armen nur sein Vermögen aufzuopfern; er wollte selbst,
wie Jesus, ein Opfer für seine Brüder werden. Es wüthete, als
er auf einer Reise nach Rom begriffen war, in verschiedenen Städ-
ten Italiens die Pest; ein schreckliches Uebel, daS ehedem auch in
Deutschland eine entsetzliche Verheerung angerichtet hat. Wir ken-
nen diese schreckliche Krankheit nur dem Namen nach; aber wen
überfallt nicht schon ein Schauder bei der bloßen Beschreibung, welche
uns die Geschichte von dieser Alles verwüstenden Seuche hinterlassen
hat? — Die Luft war von giftigen Ausdünstungen erfüllt; mit je-
dem Athemzuge sog Mensch und Äieh das Gift ein, welches wie
ein zweischneidendes Schwert alle Eingeweide durchwühlte, alle Ge-
beine, und alles Mark in den Gebeinen durchfraß, das Fleisch von
den Knochen ablöste, und dann seine Wuth durch einen durch tau-
send Martern verbitterten Tod endigte. Welch ein Anblick! Ein
paradiesisches Land in eine Wüstenei verwandelt; Städte und Dör-
fer entvölkert; Straßen und Felder mit Leichen bedeckt! Hier ein
erblaßter Vater, dort eine entseelte Mutter, und neben ihr ein tod-
ter Säugling, dem sie mit dem Kusse das tödtende Gift einhauchte!
Hier der Leichnam eines Herrn; dvrt seines Dieners; — hier eines
abgewelkten Greises, dort eines blühenden Jünglings; — hier Tod-
tenstille in einem Hause, dessen Bewohner alle die Seuche hingerafft
hat, dort dumpfes Gewinsel von Menschen, die hilflos neben den
Todten ächzen, und unter gräßlichen Zuckungen ihrem qualvollen
(5'nde entgegen röcheln! — Ach! welches Menschenherz wird nicht
von diesem erbarmungswürdigen Zustande jener Unglücklichen innigst
gerührt? Der heilige Rochus erblickt kaum die Elenden, und er-
greift schon heldenmüthig die Gelegenheit, ihnen beizuspringen. Er
läßt sich in einem Spitale zum Dienst der Kranken anstellen, und
psieqt die Armen, die bereits von der Pest vergiftet sind. — Um:
sonst sucht man ihn von seinem großmüthigen Vorhaben abwendig
zu machen. Wenn andere Menschen, schwächer am Geiste, und käl-
ter in der Liebe, sich durch die Grö'ßc und Menge der Hindernisse
von der Ausführung eines guten Werkes zurückschrecken lassen, so
finden wir bei dem heiligen Rochus gerade das Gegentheil. Sein
Eifer und seine Thätigkeit wachsen in dem Maaße, wie sich die Be-
schwernisse vermehren, und die Gefahren vergrößern. Stellt man
ihm vor, daß ein verzärtelter Edelknabe dem beschwerlichen und
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen