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Am 5. September. 603
Vorrathskammcr oes Klosters abbrannte, und einer der Brüder den
Verlust bejammerte, sprach er: „Warum haben wir das Gelübde
abgelegt, in Armuth zu lebend Gott hat uns diese Gnade erwie-
sen, damit wir sie auch fühlen können." Er hütete sich so sehr
vor Zerstreuung, daß er, von dem Tage seines Eintrittes in das
Kloster bis zu seinem Tode, nur einmal das väterliche Haus be-
trat, und zwar, um seiner Mutter in ihren letzten Augenblicken bei:
zustehen.
Nicht lange nachher, als Laurcntins von der Welt sich getrennt
hatte, kam einer stiner alten Freunde zu ihm in's Kloster, und wen-
dete Alles an, ihn zum Austritte aus demselben zu bewegen. Lau-
rcntius hörte ihn, ließ von ihm die bittersten Vorwürfe sich machen;
sprach dann aber so rührend über de» Tod und die Eitelkeit der
Welt, daß jener wie ausirr sich war, nach kurzer Zeit dem Weltlc-
ben entsagte, und in das nämliche Kloster trat. Laurentius wurde
zum Priesteramtc erhoben. Seine Kenntnisse und seine Gottseligkeit
setzten ihn in den Stand, mit vielem Segen an dem Heile der See-
len zu arbeiten. Seines Widerstrebens ungeachtet mußte er in der
Folge auch das Amt eines Ordensgenerals übernehmen. Mit gro-
ßer Weisheit verwaltete er dasselbe, und verbesserte die innere Zucht
des Ordens auf eine so zweckmäßige Weise, daß er als dessen Stif-
ter angesehen wurde. Von der Zeit an, als er die Priesterweihe
empfangen hatte, bis zu seinem Tode, unterließ er es nie, wenn er
nicht durch Krankheit gehindert war, täglich das hochheilige Opfer
zu entrichten. Er sagte, man müsse wohl wenige Liebe zu Jesus
haben, wenn man nicht strebe, so oft als möglich, mit ihm sich zu
vereinigen. Oft schärfte er den Grundsatz ein: es sey eben so thö-
richt, bei einem weichlichen, müßigen und sinnlichen Leben auf Keusch-
heit Anspruch zu machen, als wenn man das Feuer auslöschen
wollte, indem man Oel darüber ausgößc. Unaufhörlich führte er
den Reichen zu Gemüthe, daß sie Almosen geben müssen, wenn sie
selig werden wollen.
Dem Papste Eugen IV. blieben nicht unbemerkt die großen
Borzüge und Verdienste des Laurcntius, den er deshalb im Jahre
1433 zum Bischöfe von Venedig ernannte. Der demüthige Or-
densgencral wendete Alles an, diese Bürde von sich abzulehnen, ßr
beredete seine Ordensgenossen, an den Papst zu schreiben, und den-
selben flehentlich zu bitten, ihren geliebten Obern, den si> als zwei-
ten Stifter verehrten, in ihrer Mitte zu lassen. Allein Eugen be-
stand auf der Ernennung, und Laurcntius mußte gehorchen. Allen
geräuschvollen Edrcnbezeugungen zu entgehen, nahm er von seiner
Kirche so heimlich Besitz, daß seine Freunde es erst erfuhren, als
die Ceremonien schon vorüber waren. Die ganze folgende Nacht
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen