Page - (000613) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
Image of the Page - (000613) -
Text of the Page - (000613) -
Am 15. Jul i . 611
Besuche der heiligsten Geheimnisse. TĂ€glich wohnte er dem hochhei-
ligen Opfer mit einer Andacht bei, durch welche Alle, die ihn sahen,
mĂ€chtig erbaut wurden. Sehr oft war er, wie auĂer sich, weil
ganz versenkt in die Betrachung des Geheimnisses der ewigen Liebe.
Zweimal in jedem Monate krÀftigte cr seinen Geist mit dem Brode
des Lebens, welches er mit bewunderungswĂŒrdiger RĂŒhrung empfing.
Er bethete oft und inbrĂŒnstig. Bei seinen GeschĂ€ften, ja selbst bei
seinen SpaziergÀngen und andern Unterhaltungen erhob er vielfÀltig
sein GemĂŒth zu Gott. Er pflegte zu sagen: âWer Himmelsfrcu-
den kosten wil l , der muĂ durch Gebeth Gott sich nahen, wie der
dem Feuer, welcher sich wÀrmen will/- Im Gebethe fand er immer
eine unbesiegbare Kraft gegen jede Versuchung.
Mit dem Gebethe verband der jungt Bernard das Fasten.
Nicht nur beobachtete er genau die von der Kirche weislich ange-
ordnete Enthaltsamkeit an den bestimmten Tagen, sondern er ver-
sagte sich ĂŒbcrdieĂ oft die erlaubte Erquickung, zumal an Feierta-
gen , wo er nur wenig, oder wohl auch gar keine Speise zu sich
nahm, auf daĂ cr dadurch den kleinsten Theil der Leiden seines ge-
kreuzigten Heilandes fĂŒhle. Vielmal sprach er zu seinen Höftingen,
der Körper mĂŒsse bezĂ€hmt werden, auf daĂ er nicht mit der Seele
zu Grunde gehe, wie das Pferd durch den Zaum von dem Abgrund
zurĂŒckgehalten werde; Gebeth und Fasten seyen zwei Bollwerke,
welche von dem bösen Feinde nicht erstĂŒrmt werden. Nach seinem
Tode fand man bei ihm ein rauhes VuĂgewand, durch welches er
sein zartes Fleisch kreuzigte. Es wurde als eine theuere Reliquie
des frommen Prinzen in spÀtern Zeiten noch zu Moncaglieri in Pie-
mont aufbewahrt. Er bewahrte mit einer seltenen Gewissenhaftig-
keit das edelste Kleinod des jugendlichen Alters â die Reinigkeit
des Herzens, indem er seine Sinne fortwÀhrend bezÀhmte, jeder Ge-
fahr sorgfÀltig auswich, und gegen jede Versuchung muthig kÀmpfte.
Nie ward von ihm eine unreine Rede gehört, und Niemand getraute
sich in seiner Gegenwart eine solche auszusprechen; denn tief war
seinem Herzen eingeprĂ€gt das Wort des Sohnes Gottes: âSelig
sind die, welche reinen Herzens sind," und die Mahnung des Apo-
stels: âunverschĂ€mte, thörichte und muthwillige Reden sollen von
euch gar nicht gehört werden." Seine glĂŒhende Liebe zu Gott of-
fenbarte Bernard durch zĂ€rtliches Wohlwollen und groĂe MildthĂ€tig:
keit gegen seine Mitmenschen zur groĂen BeschĂ€mung Aller, welche
vorgeben, Gott zu lieben, obgleich die Liebe gegen diese NĂ€chsten
ihnen mangelt, die der Apostel mit Recht als LĂŒgner bezeichnet. Er
speisete mitleidsvoll die Hungrigen, kleidete die Nackten, begabte
reichlich die Armen, und entzog keinem seine Hilfe, wer derselben
beDurfte. Die ihm angewiesenen jĂ€hrlichen EinkĂŒnfte theilte er in
39 '
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton MĂ€tzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen