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Am 15. Jul i . 611
Besuche der heiligsten Geheimnisse. Täglich wohnte er dem hochhei-
ligen Opfer mit einer Andacht bei, durch welche Alle, die ihn sahen,
mächtig erbaut wurden. Sehr oft war er, wie außer sich, weil
ganz versenkt in die Betrachung des Geheimnisses der ewigen Liebe.
Zweimal in jedem Monate kräftigte cr seinen Geist mit dem Brode
des Lebens, welches er mit bewunderungswürdiger Rührung empfing.
Er bethete oft und inbrünstig. Bei seinen Geschäften, ja selbst bei
seinen Spaziergängen und andern Unterhaltungen erhob er vielfältig
sein Gemüth zu Gott. Er pflegte zu sagen: „Wer Himmelsfrcu-
den kosten wil l , der muß durch Gebeth Gott sich nahen, wie der
dem Feuer, welcher sich wärmen will/- Im Gebethe fand er immer
eine unbesiegbare Kraft gegen jede Versuchung.
Mit dem Gebethe verband der jungt Bernard das Fasten.
Nicht nur beobachtete er genau die von der Kirche weislich ange-
ordnete Enthaltsamkeit an den bestimmten Tagen, sondern er ver-
sagte sich übcrdieß oft die erlaubte Erquickung, zumal an Feierta-
gen , wo er nur wenig, oder wohl auch gar keine Speise zu sich
nahm, auf daß cr dadurch den kleinsten Theil der Leiden seines ge-
kreuzigten Heilandes fühle. Vielmal sprach er zu seinen Höftingen,
der Körper müsse bezähmt werden, auf daß er nicht mit der Seele
zu Grunde gehe, wie das Pferd durch den Zaum von dem Abgrund
zurückgehalten werde; Gebeth und Fasten seyen zwei Bollwerke,
welche von dem bösen Feinde nicht erstürmt werden. Nach seinem
Tode fand man bei ihm ein rauhes Vußgewand, durch welches er
sein zartes Fleisch kreuzigte. Es wurde als eine theuere Reliquie
des frommen Prinzen in spätern Zeiten noch zu Moncaglieri in Pie-
mont aufbewahrt. Er bewahrte mit einer seltenen Gewissenhaftig-
keit das edelste Kleinod des jugendlichen Alters — die Reinigkeit
des Herzens, indem er seine Sinne fortwährend bezähmte, jeder Ge-
fahr sorgfältig auswich, und gegen jede Versuchung muthig kämpfte.
Nie ward von ihm eine unreine Rede gehört, und Niemand getraute
sich in seiner Gegenwart eine solche auszusprechen; denn tief war
seinem Herzen eingeprägt das Wort des Sohnes Gottes: „Selig
sind die, welche reinen Herzens sind," und die Mahnung des Apo-
stels: „unverschämte, thörichte und muthwillige Reden sollen von
euch gar nicht gehört werden." Seine glühende Liebe zu Gott of-
fenbarte Bernard durch zärtliches Wohlwollen und große Mildthätig:
keit gegen seine Mitmenschen zur großen Beschämung Aller, welche
vorgeben, Gott zu lieben, obgleich die Liebe gegen diese Nächsten
ihnen mangelt, die der Apostel mit Recht als Lügner bezeichnet. Er
speisete mitleidsvoll die Hungrigen, kleidete die Nackten, begabte
reichlich die Armen, und entzog keinem seine Hilfe, wer derselben
beDurfte. Die ihm angewiesenen jährlichen Einkünfte theilte er in
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen