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Am 6. April. 813
Fürsprache bei Andern fast durch zehn Jahre thaten, läßt sich nur
durch einen ganz besondern, — man darf wohl sagen, wunderbaren
— Einfluß der göttlichen Vorsehung erklären. Nur allein an baa:
rem Gelde hatte Vincentius bei 400,000 Neichsthaler nach Lothrin:
gen geschickt, und es ist noch bewunderungswürdiger, wie mit dieser
Summe so viel ausgerichtet worden sey, als wie er sie aufge:
bracht habe.
Als die Königin Anna nach dem Tode Ludwigs XI I I . einen
geistlichen Rath für die geistlichen Angelegenheiten anordnete, ward
auch Vincentius zum Mitglied desselben von ihr berufen. Er that
Alles, diese Bürde von sich abzulehnen; allein er mußte sie, weil
die Königin unerbittlich blieb, zehn Jahre tragen. Auf ihn fiel die
größte Last, die schwerste Verantwortung, da die Königin ausdrück:
lich verordnete, daß alle an sie gerichtete Gesuche um Pfründen an
ihn sollten gebracht werden, und er darüber berichten solle. Er
kämpfte mit unerschütterlichem Muthe gegen eingcschlichene Miß:
brauche, und bceiferte sich, daß nur mit würdigen Männern die
geistlichen Pfründen besetzt würden; entfernte, so viel es in seinen
Kräften stand, Bewerber, von deren Unfähigkeit oder Unwürdigkeit
er Gewißheit hatte, nicht achtend die harten Vorwürfe, die bittern
Verfolgungen, und die argen Verleumdungen, die er dadurch sich
zuzog. El' führte seine» Genossen im Staatsrathe, und selbst der
Königin manchmal zu Gemüthe, daß, wer einen schlechten Mann zu
einem Amt befördere, sich nicht nur alles Schlechten, was dieser
thun werde, sondern auch der Unterlassung des Guten, was ein Gu-
ter würde gethan haben, verantwortlich mache. Ja, daß diese Ver-
antwortlichkeit auch da noch Statt finde, wiewohl in geringerem
Maaße, wenn unter verschiedenen Guten nicht der Beste angestellt
werde. —
Während der vom Jahre 1648 bis 1653 in Frankreich Herr:
schenden inneren Unruhen kämpfte Vincentius gegen die große Drang:
sal durch Gebeth und Fasten, durch Werke der Nächstenliebe und
durch rastloses Bemühen, die entzweiten Parteien zu versöhnen.
Diese Lebensbeschreibung müßte viel zu lange werden, wenn
noch angeführt werden wollte, was Vincentius durch Errichtung von
Seminarien, durch Gründung und Verbesserung mildthätiger Genos-
senschaften , durch die-Sorge für Spitäler, für das leibliche und
geistliche Wohl der Menschen gewirkc habe. Nur eine Andeutung
seiner Lebensweise und Gottseligkeit soll noch hier stehen. -— Um
vier Uhr Morgens stand er täglich auf, und hielt im Kämmerlein
sein Morgengebeth, welches Danksagung und Fassung guter Ent:
schlüsse mit den Bitten vereinigte. Dann ging er in die Kirche,
wo er, so wie die andern Missionspriester, täglich eine Stunde vor
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen