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Das Fasten an den Vorabenden 35
tag, auf die Feste und vorzĂŒglich aus Oster» vorbereiten. Man
hat auch am GcdĂ€chtniĂtage eines geschĂ€tzten MĂ€rtyrers die Nacht
zuvor durchwachet. In einer solchen gĂ€nzlich oder doch gröĂten-
theils ohne Schlaf (Vigilie) zugebrachten Nacht wurde in der Kirche,
oder auf dem Grabe eines MĂ€rtyrers gesungen, gebethet, gelesen,
ermĂ€hnet, und das heilige Abendmahl gehalten. Im fĂŒnften und
sechsten Jahrhunderte unterblieb das Halten des heiligen Abend-
mahls, und man beschÀftigte sich nur mit Singen, Lesen und Be-
then. Diese nÀchtlichen Versammlungen gaben zu Ausschweifungen
AnlaĂ. Schon im Jahre 3U5> verordnete die Kirchenversammlung
zu Elvira im 25sten Kanon, es soll sich keine Weibsperson zu den
Vigilien begeben. Der heilige Hicronimus ermahnet im siebenten
Briefe die LĂ€ta, sie soll bei den Vigilien ihre Tochter nicht von
sich lassen. Wegen des MiĂbrauches der nĂ€chtlichen Versammlun-
gen wurden die StĂŒcke, welche in der Nacht gebethet, gelesen und
gesungen wurden, getheilt, und fĂŒr den Abend des Vorabends (da-
raus wurde nach einiger Zeit die Vesper) und den Morgen des Festes
(Matutin, Metten) bestimmt. Zuvor hatte man sich schon den
Schlaf entrissen, jetzt sollte man sich die Nahrung entziehen. Nach
dem Jahre 600 hörte dieses Nachtwachen auf, und man fing an
den Vorabenden der hohen Festtage zu fasten an. Dieses Fasten
wurde bis zur dritten Nachmittagsstunde fortgesetzt, und dann das
Amt der Messe gehalten. Nur die Nachtwache vor dem Feste der
Geburt des Herrn wurde noch langer beibehalten.
Z w e c k des i n d e r k a t h o l i s c h e n K i r c h e a n g e o r d -
n e t e n F a s t e n s , u n d W e i s e , w i e d a s s e l b e i n
v e r s c h i e d e n e n Z e i t e n v o r g e s c h r i e b e n w a r , u n d
b e o b a c h t e t w u r d e .
^)ie Hauptabsicht des Fastens ist: MĂ€Ăigung und Be-
zÀhmung der Sinnl ichkei t , um desto aufgelegter zu
den Verr ichtungen des Geistes, zur Betrachtung
und zum Gebethe zu seyn. Die tÀgliche Erfahrung lehrt es
einem Jeden, daĂ bei einem vollem Bauche der Geist weder zum
Gebethe noch zur Betrachtung tauglich ist. Jesus selbst heiliget
diese Absicht durch das Beispiel seiner vierzigtÀgigen Fasten, wÀhrend
welcher er sich der himmlischen Betrachtung und dem Gebethe in
der WĂŒste widmete. In dieser Absicht fasteten die Apostel vor je-
der wichtigen Verrichtung, und hielten auch die GlÀubigen dazu
an, daĂ sie mit den gemeinschaftlichen gottesdienstlichen Uebungen
das Fasten <"rbinden, um dadurch den Geist fĂŒr dieselben desto
freier und unbeschrÀnkter zu machen.
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton MĂ€tzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen