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et al. (1987) in den USA über die Lebenslagen von Eltern mit Lernschwierig-
keiten geforscht und dadurch gängige Vorurteile widerlegt, etwa, dass Men-
schen mit Lernschwierigkeiten generell unfähige Eltern seien.
Insbesondere in den USA, Australien, Großbritannien sowie Nordeuropa
hat es in den letzten 20 Jahren diverse Forschungsprojekte über Elternschaft
von Müttern und Vätern mit Lernschwierigkeiten gegeben und folglich wurden
die Erkenntnisse dieser Forschungen auch in eine evidenzbasierte Praxis im-
plementiert. In Kanada und Großbritannien haben diese Fortschritte dazu ge-
führt, dass mittlerweile bereits Unterstützungsangebote aus Elternperspektive
evaluiert werden (vgl. etwa Tarleton/Ward 2007). Im deutschsprachigen Raum
hingegen gibt es bisher wenig Forschung zu diesem Thema, in Deutschland
trug vor allem Pixa-Kettner mit zwei bundesweiten Studien (1996; 2007) dazu
bei, die Lebenssituationen von Eltern mit Lernschwierigkeiten zu erheben und
Konzepte „begleiteter Elternschaft“ zu initiieren.
Methodologie und Methodik
Die übergeordnete Forschungsfrage der Dissertation teilt sich in drei spezifi-
schere Fragen, mit dem Ziel die Reproduktion von Behinderung im Kontext
Elternschaft sowie Ressourcen und Barrieren für eine Elternschaft von Men-
schen mit Lernschwierigkeiten zu erforschen. Zentral ist dabei, wie Mütter und
Väter mit Lernschwierigkeiten Elternschaft erfahren bzw. als was sie Eltern-
schaft erfahren. Aufgrund der Relevanz diskursiver Praktiken für die (Re-)Pro-
duktion von Behinderung ist es erforderlich, auch die Erfahrung von Fachkräf-
ten, welche bereits Eltern mit Lernschwierigkeiten in der Elternrolle begleitet
haben, miteinzubeziehen. Zudem geht es um den elementaren, öffentlichen
Diskurs über Elternschaft von Menschen mit Lernschwierigkeiten.
Für diese Fragestellungen bedarf es verschiedener methodischer Werk-
zeuge. Epistemologischer Ausgangspunkt ist eine Hermeneutik des Verste-
hens, wobei ich mich u.a. auf Gadamer (1960/2010) beziehe, der ein stetiges
„Entwerfen“ von Sinn im Zuge eines hermeneutischen Zirkels des Verstehens
beschreibt. Aufgrund der Erfahrungs-Orientierung meiner Arbeit spielt zudem
die Phänomenologie eine zentrale Rolle, denn die Erforschung dessen was eine
Person als etwas erfährt, setzt die Frage danach wie etwas erfahren wird voraus
(vgl. Brinkmann 2015).
Bei der methodischen Herangehensweise orientiere ich mich daher zum ei-
nen an der Interpretativen Phänomenologische Analyse (IPA) nach Smith et
al. (2009), die hermeneutische und phänomenologische Aspekte miteinander
verknüpft. Zum anderen orientiere ich mich für die Erforschung öffentlicher
Diskurse an der Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) nach Keller
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book Lernprozesse über die Lebensspanne - Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern"
Lernprozesse über die Lebensspanne
Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
Veröffentlicht mit Unterstützung der Fakultät für Kulturwissenschaften der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
- Title
- Lernprozesse über die Lebensspanne
- Subtitle
- Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
- Authors
- Monika Kastner
- Jasmin Donlic
- Barbara Hanfstingl
- Editor
- Elisabeth Jaksche-Hoffman
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-8474-1467-4
- Size
- 14.7 x 21.0 cm
- Pages
- 190
- Category
- Lehrbücher