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Larissza Hrotkó | Durchbruch des Fundamentalismus? Eine neues Gesicht der Orthodoxie im Judentum Ungarns
diese Kleinigkeiten wichtig seien, um ein neues stolzes Leben als Jüd*in zu
beginnen, ohne sich in der Mehrheitsgesellschaft zu assimilieren.
Das mag schön klingen, doch bedeutet es meistens ein Eingeschlossen-
Sein in einer Gemeinschaft, die nur über die männlichen Anführer und
eini ge Erwählte Verbindung zur nicht-jüdischen Welt hält. Der Hamburger
Rabbiner Seibert meinte dazu:
„Chabad versucht die Menschen zu einem Leben zu drängen, das man
gar nicht führen kann. Die Anforderungen, die an Ultra-Orthodoxe ge-
stellt werden – koscher leben, sich genau nach den jüdischen Gesetzen
richten – sind im normalen Alltag gar nicht umsetzbar. Das könnte ir-
gendwann zur Entstehung einer Parallelgesellschaft führen.“ (Schellen
2018)
Zu den religiösen Strategien von Chabad Lubawitsch gehören nicht nur ein
Skripturalismus und das Missionieren, sondern auch ein Messianismus,
dessen zentrale spirituelle Figur jahrzehntelang der Lubawitscher Rebbe
Menachem Mendel Schneerson war. Schneerson, der Chabad als siebter
Lubawitscher Rebbe von 1950 bis 1994 leitete, wird bis heute enorm verehrt.
Viele der Chabad-Zugehörigen halten ihn sogar für den Messias.
„The Rebbe enjoyed a special status in the community, immense ad-
miration, and authority until his death in 1994. During his leadership
Habad enjoyed a great increase in popularity and spiritual authority that
Abb. 2: Ein jüdischer Student bringt einem
Juden das Anlegen von Tefillin bei
Haaretz.com
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 4:1
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 4:1
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 224
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven