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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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185 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter Diese beiden Krisen münden in eine originelle Synthese: Der Wunsch des Einzelnen nach Freiheit und nach subjektivem Ausdruck verbindet sich  – ohne einen vorgefassten Plan – mit einem Wunsch nach Selbstbestim- mung, der von der Wirtschaft ausgeht. Letztere will sich von den politi- schen Institutionen lösen, um sich in voller Freiheit bewegen zu können. Dieser Übergang beschleunigt sich mit zunehmender Liberalisierung der Märkte in den 1980er Jahren, und das dem Markt entgegengesetzte öko- nomische Modell zerbröckelt. So kündigt sich die Entstehung einer neuen globalen Marktgesellschaft an: Der Begriff der ,Globalisierung‘ dient dazu, dieses Vorhaben zu benennen.1 Hierbei bildet der Aufstieg des Neoliberalis- mus den wichtigsten Umstrukturierungsfaktor des gegenwärtigen Kapita- lismus, der durch das Einsetzen einer neuen Akkumulationsphase gekenn- zeichnet ist, in der die Flexibilisierung die Starrheit der vorigen institu- tionellen Ordnungen verdrängt, während der Interventionsspielraum der Institutionen angesichts des weltumspannenden Wirtschaftsdynamismus stark eingeengt wird (Lash, Urry 1994; Thrift 2005; Sassen 1998, 2002). Der Neoliberalismus vertritt eine neue Freiheitsvision und zugleich eine neue Sichtweise auf das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft. Tat- sächlich erachtet dieser den individuellen Pol gegenüber den Institutionen als vorrangig. Der wichtigste Bezugspunkt liegt dabei in der Idee der Wahl- freiheit, die einer Gesellschaft zugrunde liegt, die als einfaches Resultat der Kombination von Individuen zu denken ist, die ihre jeweiligen Möglichkei- ten zu erweitern suchen. Auf diese Weise wird die zentrale Bedeutung einer einzigen Institution legitimiert, nämlich die des Marktes: Dieser gründet sich auf der Annahme der Selbstregulierung, zumal er durch individuelle Initiative, durch wirtschaftliche Freiheit von allen staatlichen Bindungen, durch die Befriedigung von Bedürfnissen und den freien Warenverkehr im Hinblick auf den weit verbreiteten Konsum gespeist wird. Da der Markt als Institution auf eine Übereinkunft über die Mittel ausge- richtet ist, passt er sich potenziell jedem kulturellen Kontext an und ver- bindet sich leicht mit anderen Phänomenen wie der technischen Expansion. Tatsächlich verstärkt diese Expansion die unaufhörliche Produktion von Mitteln und neigt durch die Aufnahme wissenschaftlicher Erkenntnisse in ihr Inneres dazu, die Rolle einzunehmen, die in der Vergangenheit zuerst religiöse und dann politische Weltanschauungen hatten: Durch die Tech- Der Wunsch des Einzelnen nach Freiheit und nach subjektivem Ausdruck verbindet sich mit einem Wunsch nach Selbstbestimmung, der von der Wirtschaft ausgeht. 1 Bekanntlich ist die Literatur zu diesem Thema sehr umfangreich, da in diesen Jahrzehnten zahlreiche WissenschaftlerInnen an der Debatte über die Globalisierung teilgenom- men haben. Darüber hinaus hat sie sich in verschiedenen Gebieten aus- differenziert, indem sie eine Reihe von Aspekten hervorhebt, die in die- sem „Dachkonzept“ enthalten sind, das nicht nur verwendet wurde, um die stattfindenden Prozesse, son- dern auch, um ein zu verfolgendes Ziel aufzuzeigen, wie es zuvor mit den Begriffen ,Industrialisierung‘ und ,Rationalisierung‘ geschehen war (Giaccardi/Magatti 2001). Hier
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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