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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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Page - 187 - in Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2

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188 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter liert werden, das Vakuum zu fĂŒllen, durch welches der Wunsch hervorgeru- fen wird.2 Um der Wunschstimulierung nachzukommen, beschleunigt das System stĂ€ndig und weitet das Verbraucherpublikum grenzenlos aus. Die wirtschaftliche Dynamik, die sich von 1989 bis 2008 durchgesetzt hat, ist unbestreitbar, wie aus der Steigerung des Weltbruttosozialprodukts deut- lich wird: eine außerordentliche, aber – angesichts ihrer Auswirkungen bei Hereinbrechen der Krise – unausgeglichene Steigerung. Jenes Modell schafft die Voraussetzungen fĂŒr eine völlig neue Verbindung von Individualisierung und Systemen. Die wachsende Nachfrage nach Sub- jektivitĂ€t, die von den Individuen innerhalb der fortgeschrittenen Demo- kratien ausgeht, wird durch die technische Systemkraft befriedigt, d.  h. mit der Erweiterung der Mittel, sodass die Möglichkeiten vermehrt werden und jene Nachfrage nach Wohlstand, IndividualitĂ€t und FĂŒlle befriedigt wird, die von anderen Systemen nicht mehr befriedigt werden kann.3 Die Freiheit wird also letztlich folgendermaßen gesehen: Einerseits iden- tifiziert man sie mit der Vermehrung der erreichbaren Ziele und der den Individuen zur VerfĂŒgung stehenden Möglichkeiten, andererseits mit der individuellen Entscheidung, die stets offen gehalten und tendenziell nie- mals verwirklicht werden darf, da dies eine Verringerung der Möglichkei- ten implizieren wĂŒrde. Die absolute Freiheit und ihre Implikationen Zu den RĂŒckwirkungen der beschleunigten Ausdehnung des technisch- ökonomischen Systems gehört sicherlich die Fragmentierung: Um eine solche Ausdehnung zu ermöglichen, war es notwendig, alles aufzulösen, und gerade auch in diesem Sinne spricht man von einer nihilistischen Kul- tur bzw. Gesellschaft: Etymologisch leitet sich nihil aus der Verschmelzung zweier Wörter ab, nĂ€mlich ne-hilum, was ,ohne Faden, ohne Verbindung, ohne Zusammenhang und Sinn‘ bedeutet. Neben der Fragmentierung der Berufswege sowie der Lebenswelten und -rĂ€ume innerhalb der StĂ€dte (Sennet 2018) zerbrechen gesellschaftliche Bindungen und SolidaritĂ€t ganz allgemein. 2 Bezeichnenderweise wird hierfĂŒr der Begriff ,Erfahrungswirtschaft‘ verwendet (Pine/Gilmore 2000). 3 So z.  B. von der Religion oder der Politik, welche ĂŒber die Jahrhun- derte der PrĂ€moderne und Moderne hinweg den Anspruch hatten, die menschlichen Bestrebungen zu be- friedigen, indem sie durch AusĂŒbung ihrer eingesetzten Macht dem Über- maß und der Freiheit des Individu- ums entgegentraten. Freiheit wird einerseits mit der Vermehrung der erreichbaren Ziele, andererseits mit der (stets offen gehaltenen) individuellen Entscheidung identifiziert.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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