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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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196 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter Ich“ (GSG 4, 143), ein Subjekt, das in seiner wesentlichen Struktur relatio- nal und individuell ist. Das Subjekt ist also keine Monade, es ist kein felsenfestes Element, das sich von seinen historischen Beziehungen entfernt, um einen unverĂ€nderbaren und substanziellen Kern zu bewahren. Ebenso wenig ist es etwas Unver- gleichliches, das sich nur um sich selbst und um seine Innerlichkeit dreht, sodass es der mĂ€chtigen Objektivierung entgehen könnte. Diese EinschĂ€t- zungen, die von den modernen Formen des Individualismus nachdrĂŒcklich betont wurden, betrachten die gesellschaftliche Dimension als den Indivi- duen nicht eigentlich zugehörig. Das Individuum aber, welches die Beziehung zur Welt verliert, ist nicht mehr der ganze Mensch, sondern wird der mittelmĂ€ĂŸige Mensch, weil er seine IndividualitĂ€t verliert. FĂŒr Simmel bedeutet IndividualitĂ€t, dass das Ich sehr wohl etwas fĂŒr-sich ist, aber gleichzeitig außerhalb-von-sich projiziert ist: „Wenn man eine Grundtatsache sucht, die als die allgemeinste Voraus- setzung aller Erfahrung und aller Praxis, aller Spekulation des Denkens und aller Lust und Qual des Erlebens gelten könnte, so wĂ€re sie vielleicht so zu formulieren: Ich und die Welt. Diese ist die Grundtatsache des Menschseins.“ (GSG 14, 80) Das Subjekt kann deshalb also nicht einseitig definiert werden, sondern nur ausgehend von der SimultaneitĂ€t der verschiedenen Dimensionen. Es ist nicht nur teilweise sozial und teilweise individuell, sondern es ist un- ter der Kategorie einer Einheit zu fassen, die wir nicht anders als durch die Gleichzeitigkeit der logisch entgegengesetzten, jedoch gleichzugehörigen Determinationen ausdrĂŒcken können. Es handelt sich nicht um eine Ein- heit im Sinn einer horizontalen Nebeneinanderstellung der verschiedenen Dimensionen: Das Leben „ist ĂŒberhaupt nicht eine Summe“, sondern es ist „in jedem seiner Augenblicke ganz und gar wirklich“ (GSG 16, 393). Es handelt sich fĂŒr Simmel um eine Einheit, die als ,einheitliche Zweiheit‘ radikal neu gedacht werden muss: Sie enthĂ€lt in sich, im Gegensatz zum Dualismus, die Vielheit des Lebens, also die entgegengesetzten Pole als GegensĂ€tze, die jedoch nicht widersprĂŒchlich sind – also das, was schon Ein Individuum, welches die Beziehung zur Welt verliert, ist nicht mehr der ganze Mensch.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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