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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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201 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter eigenes lebendig-seelisches Dasein bildet einen Ausdruck des Lebens: In diesem neigen die Form und der Anreiz, jede Grenze zu ĂŒberwinden, dazu, sich zu vereinigen. Innerhalb des technisch-nihilistischen Vorstellungsraums wurde die Grenze lediglich als ein Hindernis betrachtet, das es zu ĂŒberwinden gilt, in der Überzeugung, dass derjenige, der von einem Ereignis zum nĂ€chs- ten geht und immer weiter geht, den Eindruck gewinnt, er hĂ€tte die FĂ€- higkeit, von der Kontingenz Abstand zu nehmen und also frei zu sein. Die Annahme, dass unser Zugang zur Wirklichkeit nicht von den Formen ab- hĂ€ngt, impliziert, dass unsere eigene Sichtweise auf die Freiheit sich stets mit einer Grenze auseinandersetzt. Die Freiheit hat ihren Platz innerhalb dieses VerhĂ€ltnisses von Form und Lebensprozess, von Grenze und Grenz- ĂŒberschreitung: Simmel zufolge ließe sich der Mensch als derjenige umrei- ßen, der seine Freiheit auslebt, wenn er an der Grenze zwischen Unendli- chem und Endlichem verharrt, zwischen der Erfahrung des Endlichen und dem stĂ€ndigen Sich-Hinauslehnen in Richtung auf das Unendliche. Deswegen öffnet sich in Bezug auf das Ereignis, das uns entgegenkommt  – egal ob wir SchauspielerInnen oder ZuschauerInnen sind –, der Raum der Antwort, einer nicht schon definierten Antwort, als ob sie ein „Echo“ wĂ€re, „das mechanisch und ganz und gar erst dann auftritt, wenn eine Ă€ußere Bewegung entstanden ist“ (GSG 16, 316). Es handelt sich um eine originel- le  – wenn auch begrenzte – Antwort, durch die wir als Freiheitswesen sein können, ohne einfach an den Fluss der Dinge angeglichen zu werden. In diesem Sinne bildet fĂŒr Simmel gerade die Verantwortung (als Antwort) die Grundlage fĂŒr die Freiheit.9 Und damit diese Antwort eintritt, ist fĂŒr die Freiheit anzuerkennen, dass Erschaffen bedeutet, etwas eine Form zu geben, das auf diese Weise, wenn auch innerhalb seiner Grenze, existiert. Die Freiheit wird so der Illusion völliger Absolutheit entrissen, und sie wird in der menschlichen Erfahrung verankert, welche AlteritĂ€t, Bindung, Welt und Transzendenz in sich auf- nimmt. Die Handlung, mit der die Freiheit entscheidet, die Wirklichkeit von ‚Leben und Form‘ zu bejahen oder zu verneinen, ist auch die Handlung, mit der sie ĂŒber sich selbst entscheidet, denn es ist eine Handlung, die mit dem Er- schaffen neuer sozialer Formen zu tun hat, die beim Festlegen von (fĂŒr die 9 So schreibt Simmel: „[...] die Vorstellung der Freiheit, als sei sie eine fĂŒr sich bestehende Potenz des Individuums, auf die hin nun, relativ zufĂ€llig und begrifflich davon un- abhĂ€ngig, seine Verantwortbarkeit eintrete, ist ein Produkt der indivi- dualistischen Weltanschauung“ (GSG 4, 209; vgl. Martinelli 2011). Freiheit ist das ,seelische‘ (menschliche) Element, das dazu imstande ist, jede Form zu beleben, deren Seele es ausmacht.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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