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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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208 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter Schlussfolgerungen In den modernen Denktraditionen ĂŒber das Thema der Freiheit wurde die Freiheit vor allem in ihrer FĂ€higkeit reflektiert, aufzulösen und abzulösen, wobei sie anhand von quantitativen und materiellen Kriterien definiert wurde. Eine solche Interpretation der Freiheit wurde durch das sozio-öko- nomische Entwicklungsmodell verstĂ€rkt, das in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die RealitĂ€t nach der Logik technischer Systeme ge- staltet, die die individuellen Möglichkeiten unbegrenzt erweitern, indem sie die Macht der Medien multiplizieren mit dem Anspruch, die Inbesitz- nahme der RealitĂ€t durch das menschliche Wesen zu vergrĂ¶ĂŸern. Dennoch zeigt das Modell eines unbegrenzten Wachstums gleichzeitig sei- ne UnzulĂ€nglichkeiten, wie im Übrigen die wirtschaftliche Krise gezeigt hat. Paradoxerweise besteht das schwache Glied des Systems gerade im Menschen als solchem. In der Tat fand sich der Mensch der fĂŒr technische Systeme typischen Funktions-, Produktiv- und Leistungslogik unterwor- fen wieder, ohne Aussicht auf Zukunft und auf Bedeutung. Mit diesem Beitrag wurde der Versuch unternommen, die Freiheit, ausge- hend von ihrem inneren Wesen neu zu denken: Ihr relationaler Ursprung innerhalb des Paradigmas der ,GenerativitĂ€t‘ lĂ€sst Freiheit in ihrer FĂ€hig- keit entwickeln, neue Formen sozialer Bindung zu gestalten, die ihrerseits neue soziale Institutionen formen können. Genau darin liegt ein dringen- des BedĂŒrfnis der entwickelten Gesellschaften, gerade wenn man bedenkt, wie die fluide Gesellschaft, die mitnichten als Entlastungszustand von den bedrĂŒckenden Fesseln gelten kann, inzwischen offensichtliche Probleme aufweist: Eben jene so sehr gepriesene SubjektivitĂ€t ist schwach geworden, wenn sie die Umrisse eines ,Menschen aus Sand‘ (Ternynck 2011) annimmt; zerfranste Beziehungen verhindern jedes Nachempfinden von Bedeutung sowie das Annehmen und die Pflege der Wirklichkeit (Stiegler 2010); die Logik der Beherrschung fĂŒhrt in ihren performativen ZĂŒgen zu scheinbar leichten, aber doch starren Formen der Regulierung (Gherardi 2018); die Angst vor dem Anderen und vor den globalen Gefahren befördert die RĂŒck- kehr zu geschlossenen Verbindungen, die oft in Richtung illiberaler Situa- tionen fĂŒhren (Bauman 2017). Freiheit innerhalb des Paradigmas der ‚GenerativitĂ€t‘ kann neue Formen sozialer Bindung gestalten.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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