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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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222 | www.limina-graz.eu Massimo Recalcati | Die Zerstörung des sozialen Bandes und die Hyperaktivität im Diskurs des Kapitalisten Konsument wird konsumiert, ja, er selbst wird zum Gegenstand des Kon- sums, zu einem Gegenstand, der im Diskurs des Kapitalisten vom „Willen des Genießens“ des Anderen konsumiert wird. Das auf einen „Turbo-Kon- sumenten reduzierte Subjekt, für das Lipovetsky zumindest unter gewissen Umständen noch lobende Worte findet, ist nicht nur, wie der französische Soziologe glaubt, der vernunftgeleitete Herr über seinen Geschmack und die freien Möglichkeiten von dessen Befriedigung. Er ist nicht nur in der Lage, „in jeder Hinsicht jene Möglichkeiten auszunutzen, die sich aus den beiden großen Zielen der Moderne ergeben: nämlich Effizienz und Glück auf Erden“. Sondern er ist auch und vor allem Ausdruck eines von der sym- bolischen Kastration abgekoppelten Genießens, das ebenso undurchlässig für den Diskurs der Liebe wie antivital ist und das dazu tendiert, den Kon- sumenten selbst zu konsumieren. Die entscheidenden Elemente, die den Diskurs des Kapitalisten als ano- nyme Maschine des Genießens beleben und formen, sind der Ausfall des Ideals und seiner orientierenden Funktion, die Verdunstung der normati- ven Kraft des Gesetzes sowie das Aufkommen eines neuen Totalitarismus des Objektes des Genießens. Daraus ergibt sich eine extreme symbolische Unsicherheit des Anderen in unserer Zeit: Krise der Politik, der Ideologie, des Religiösen, der Werte, des Bildungsdiskurses; sowie eine Epoche, die post-ideologisch, post-modern, hyper-modern, post-menschlich ist. Es handelt sich um eine Unsicherheit, die das Ergebnis einer Instabilität von Beziehungen darstellt, oder besser von Beziehungen, die das Bindemit- tel der Instanz des Ideals verloren haben, die also instabil sind – „flüs- sig“, würde Zygmunt Bauman (2000) sagen –, der reinen Kontingenz des Symp toms ausgesetzt. Was selbst Bauman übersieht: Bindungen scheinen sich dennoch zu kristallisieren, zu verdinglichen, zu verfestigen. Das ist die andere Seite des Diskurses des Kapitalisten. Der Ausfall des Ideals und der Sturz der väterlichen Funktion – in Lacans Terminologie ist das die Krise des Diskurses des Herrn – bringen nicht nur die Liquidierung von Bindun- gen mit sich, bar jeder symbolischen Orientierung, sondern tendieren auch dazu, die monadische, autistische, narzisstisch feindliche Verdichtung ge- genüber dem symbolischen Austausch zu verstärken. Die Produktion von Unzufriedenheit Der Diskurs des Herrn formulierte ein hierarchisches Machtkonzept, in- dem er eine normative Version des Unmöglichen behauptete, während der
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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