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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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226 | www.limina-graz.eu Massimo Recalcati | Die Zerstörung des sozialen Bandes und die Hyperaktivität im Diskurs des Kapitalisten firmation. Es ist kein Zufall, dass Lacan im Seminar XVII das Konzept des Mehr-Genießens von Marx und seinem Konzept des „Mehrwertes“ („plus- valore“) ableitet. Beide Konzepte eint, dass sie einer Dialektik von Weg- nahme und Zugabe entspringen: Wie beim Marx’schen „Mehrwert“, der zunächst von einer Wegnahme ausgeht (der Kapitalist zahlt nicht für einen Teil der Arbeit des Arbeiters, und diese Wegnahme bildet die Grundlage für seinen Profit), so entsteht auch das Mehr-Genießen aus einem Verlust an Genießen, der vom Diskurs des Herren dekretiert wurde, welcher den Zu- gang zu unbegrenztem Genießen versperrt. Das Mehr-Genießen kompen- siert den Raub des Genießens (oder „gedenkt“ seiner), den Marx selbst am Ursprung des kapitalistischen Profits sieht: „[...] was Marx als Mehrwert und Raub von Lust anprangert. Und doch ist der ‚Mehrwert‘ wie ein Gedenken des ‚Mehr-als-Genießens‘, es ist das Äquivalent von ‚Mehr-als-Genießen‘“ (Lacan 2001, 96). Wir sehen, warum Lacan den Diskurs des Herrn zum Diskurs aller Diskur- se gemacht hat: Der Verlust des Genießens, den die Sprache in das Subjekt einführt – dessen Raub – ist die Bedingung für die Produktion jedes mög- lichen Mehr-Genießens; und das, obwohl sich ein derartiges Mehr-Ge- nießen nur vor dem Hintergrund dieses Raubes selbst ereignet. In diesem Sinn ist der Diskurs des Herrn die Kehrseite des Diskurses des Unbewuss- ten: Das Objekt klein a verdankt seine Existenz als Kondensator des Genie- ßens dem Verlust von Genießen (strukturell sanktioniert durch die Spra- che), obgleich jenes selbst [das Objekt klein a] eine singuläre Kompensation für diesen Verlust darstellt. Im Unterschied dazu verzerrt der Diskurs des Kapitalisten das Objekt klein a als ein verlorenes Objekt und leugnet damit dessen konstitutive Verbindung mit dem Gesetz der Kastration. Er bringt das Windrad von Gadget-Objekten auf den Markt, die nur eine „gefälsch- te“ Darstellung des Objektes klein a sind, insofern sie dieses zwar übertrie- ben anpreisen, aber seinen Status als „verlorenes Objekt“ verleugnen. Es ist eine „aufgeblasene“ Dimension, die Lacan „verschiedenen“ Objekten klein  a zuschreibt, welche – einmal in Gadget-Objekte verwandelt – die vom Diskurs des Kapitalisten dominierte Welt bevölkern. Sie finden sich überall, „auf dem Bürgersteig, der herauskommt, in allen Ecken der Stra- ße, hinter allen Fenstern, in der Fülle dieser Objekte, um dein Begehren zu wecken“ (Lacan 2001, 203). Gadget-Objekte bevölkern die vom Diskurs des Kapitalisten dominierte Welt. Sie finden sich überall.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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