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Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmÀchtig
und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden
seit 1973 durch Angebot und Nachfrage auf den DevisenmÀrkten bestimmt
und nicht mehr von den nationalen Zentralbanken fixiert. GĂŒnstige natio-
nale Produktionskosten (ein wichtiger Angebotsfaktor) erhöhen den realen
Wert der heimischen WĂ€hrung. Zweitens hat der technische Fortschritt in
den Nachkriegsjahrzehnten zu einem dramatischen Sinken der Transport-
und Kommunikationskosten zwischen den damals fĂŒhrenden IndustrielĂ€n-
dern (ohne Ostblock und kommunistisches Asien) gefĂŒhrt, was LĂ€ndern
mit gĂŒnstigen Angebotsfaktoren gröĂere Vorteile verschaffte. Drittens haben
die schlechten Erfahrungen, welche die LĂ€nder der âfreienâ Welt mit der
keynesianischen Nachfragepolitik machten, die VorzĂŒge einer Politik der
Angebotssteuerung ĂŒber Senkung der SpitzensteuersĂ€tze, Deregulierung
privater WirtschaftsaktivitÀt und Privatisierung staatlicher Unternehmen
in das Blickfeld wirtschaftlicher Freiheit zugeneigter Wirtschaftspolitiker
(Reagan, Thatcher) gerĂŒckt. Viertens hat der Zusammenbruch des Bretton-
Woods-Systems mit seiner strikten BeschrÀnkung internationaler Kapi-
talbewegungen den Weg fĂŒr internationale Kapital bewegungen nach rein
ökonomischem KalkĂŒl freigemacht: Ein nationalstaatlich gesteuertes Fi-
nanzwesen wurde zu einem global marktgesteuerten. All das hat den Ak-
tionsradius nationaler Fiskalpolitik zur Sicherung von VollbeschÀftigung
und einer gleichmĂ€Ăigen Einkommensverteilung deutlich eingeschrĂ€nkt,
es kam zu dem von Winkler (2017, 123) in Anlehnung an Rodrik (2011) be-
dauerten Kontrollverlust nationaler Makropolitik.
Von nun an war die nationale Produktions- und BeschÀftigungsentwick-
lung stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft abhÀngig. Diese wurde
nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, dem Fall des Eisernen Vor-
hangs, der EuropÀischen Integration und dem WTO-Beitritt Chinas sowie
der Ăffnung anderer bevölkerungsreicher asiatischer LĂ€nder (wie Indien)
gegenĂŒber dem Weltmarkt um ca. 1.6 Milliarden Anbieter von Arbeitsleis-
tungen gröĂer. AuĂerdem bot die nun weltweit starke Verringerung der in-
ternationalen Transport- und Kommunikationskosten den Unternehmen
in den hoch entwickelten LÀndern mit hohen Lohnkosten die Möglichkeit,
die Produktion in das billigere Ausland zu verlagern. Dies kostete heimische
ArbeitsplÀtze, die von relativ weniger qualifizierten ArbeitskrÀften besetzt
waren. AuĂerdem hat der technische Fortschritt, der mit Computerisierung,
Digitalisierung und dem worldwide web einherging, die Nachfrage nach
hochqualifizierten ArbeitskrÀften beschleunigt und deren Löhne in die Höhe
Kontrollverlust nationaler Makropolitik
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 2:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 267
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven