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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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239 | www.limina-graz.eu Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmĂ€chtig und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden getrieben, wĂ€hrend die Nachfrage nach weniger Qualifizierten zurĂŒckging und deren Entlohnung trotz Wirtschaftswachstums stagnierte. Schließlich hat die Entwicklung von internetbasierten Plattformen die Bedeutung von intangiblen Unternehmensinvestitionen gegenĂŒber klassischen Investitio- nen in Maschinen, GebĂ€uden und GrundstĂŒcken erhöht und die Gewinne erfolgreicher Internetpioniere enorm gesteigert, wĂ€hrend die Einkommen wenig- und mittelqualifizierter weißer US-Amerikaner zurĂŒckgingen bzw. stagnierten, was Trump öffentlich beklagt hat. FĂŒr die US-amerikanischen PrĂ€sidenten vor Trump waren dies bedauerli- che, aber eben unvermeidliche Folgen der nun weltweiten (von Teilen Afri- kas abgesehen) Arbeitsteilung zwischen weniger und höher entwickelten LĂ€ndern. FĂŒr die wenigen Kritiker dieses international-wirtschaftspoli- tischen laissez faire wie Rodrik (2011) war dies ein Politikversagen, das es Trump ermöglichte, die US-amerikanischen Verlierer der internationa- len Angebotspolitik mit einer neuen Form des Wirtschaftsnationalismus („I am a tariff man“) fĂŒr sich zu gewinnen. „Massive EinschrĂ€nkungen von Freihandel und Zuwanderung sollen dem Nationalstaat seine Handlungs- fĂ€higkeit und damit auch seine Verantwortung fĂŒr die wirtschaftliche Ent- wicklung zurĂŒckgeben.“ (Winkler, 2017, 125) FĂŒr Trumps WĂ€hler aus der unteren Mittelschicht war die versprochene Abschottung gegenĂŒber dem Ausland attraktiv, weil in den von Zöllen geschĂŒtzten Branchen Arbeits- plĂ€tze (zumindest kurzfristig) erhalten bleiben und weniger Zuwanderung aus dem Ausland den Druck auf die inlĂ€ndischen Löhne der weniger Qualifi- zierten verringert. Beides versprach eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation von Trump-WĂ€hlerinnen und Trump-WĂ€hlern. Winkler (2017) weist aber auch auf die Bedeutung soziokultureller Faktoren fĂŒr Trumps Wahlsieg ĂŒber Clinton hin. Kern dieser ErklĂ€rung des Aufstiegs wirtschaftsnationalistischer Politiker ist die Ablehnung gesellschaftslibera- ler Werthaltungen, wie sie die sozial progressive demokratische PrĂ€sident- schaftskandidatin verkörperte. Auch wenn die Verquickung wirtschaftsli- beraler und gesellschaftsliberaler Positionen nicht denknotwendig ist, wird genau diese von machthungrigen Politikern genutzt, um fĂŒr wirtschafts- illiberale Politik zu werben und diese auch durchzusetzen. Denn mit staat- licher Protektion heimischer Wirtschaftszweige gegenĂŒber billigerer aus- lĂ€ndischer Konkurrenz und einer restriktiven Zuwanderungspolitik lĂ€sst sich Die Verquickung wirtschaftsliberaler und gesellschaftsliberaler Positionen wird politisch genutzt.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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