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Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmÀchtig
und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden
Marktwirtschaft unterstĂŒtzen. FĂŒr den binnenwirtschaftlichen RĂŒckzug des
interventionistischen Staates ĂŒber Steuersenkungen und Deregulierung
nimmt man auĂenwirtschaftliche FreiheitsbeschrĂ€nkungen wie jetzt in den
USA hin.
Statusverlust und die PrĂ€ferenz fĂŒr protektionistische
AuĂenhandelspolitik
Winkler (2017) fĂŒhrt die Wiederkehr protektionistischer US-AuĂenhan-
delspolitik auf die UntÀtigkeit der US-Regierungen vor Trump, den Ver-
lust von US-IndustriearbeitsplÀtzen durch eine supranationale Vollbe-
schĂ€ftigungs- und Umverteilungspolitik abzufedern, zurĂŒck. Dazu ist es in
der Zeit vor Trump nicht gekommen und wird es auch in naher Zukunft
nicht kommen. So bleibt nur innerstaatliche Umverteilung, aber mit Erich
Weede (2018, 99) ist zu bezweifeln, ob âinnerstaatliche Umverteilung zu-
gunsten der Verlierer von Freihandel ausreicht, um die politischen Fol-
gen der âschöpferischen Zerstörungâ (im Sinne Schumpeters) aufzufan-
genâ. Noch dazu, wenn es gar nicht die individuellen Job- und Einkom-
mensverluste der von der Globalisierung âAbgehĂ€ngtenâ waren, welche
die Wahlentscheidung fĂŒr Trump und gegen Clinton bestimmt haben,
wie Diana Mutz (2018) in einer vergleichenden empirischen Analyse von
WÀhlermeinungsbefragungen vor den PrÀsidentschaftswahlen 2012 und
2016 zeigt. Es waren vielmehr Ăngste, den hohen sozialen Status als MĂ€n-
ner mit weiĂer Hautfarbe und christlichem Bekenntnis im Nordosten und
mittleren Westen der USA (ârust beltâ) zu verlieren, die diese im Vergleich
zur Wahl 2012 eher Trump und nicht Clinton wĂ€hlen lieĂen.
Das GefĂŒhl, in seinem erreichten Status bedroht zu sein, erzeugt Abwehrre-
aktionen. Die erste ist, dass der status quo ante sowie hierarchische soziale und
politische Arrangements attraktiver werden. âThus, conservatism surges
along with a nostalgia for the stable hierarchies of the past.â (Mutz 2018,
331) Die zweite Abwehrreaktion besteht darin, die dominante eigene Gruppe
zu verteidigen, KonformitÀt der Gruppenmitglieder mit den Gruppennormen
zu betonen und andere gesellschaftliche Gruppierungen abzuwerten (âwirâ
und âdieâ). Man fĂŒhlt sich gut, wenn man zur dominanten Gruppe gehört,
und, um diesen Zustand zu erhalten, werden bei Bedrohung kostengĂŒns-
Das GefĂŒhl, in seinem Status bedroht zu sein, erzeugt Abwehrreaktionen.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 2:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 267
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven