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Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmächtig
und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden
tige Maßnahmen wie die Stimmabgabe für Politiker, die versprechen, die
Statusbedrohung zu beseitigen, ergriffen. Zwei Bedrohungen des gefühlten
Gruppenstatus sind in den USA nach Mutz (2018) besonders stark: Erstens
das Gefühl, als Weiße gegenüber den aufsteigenden andersfarbigen Mitbür-
gern sich im Abstieg zu befinden. Zweitens fühlen sich weiße US-Amerika-
ner von der wachsenden Abhängigkeit vom Ausland bedroht. Dieses Gefühl
wird bestätigt durch ökonomische Daten, dass die USA bald nicht mehr
die größte Volkswirtschaft der Welt sind und in nicht allzu ferner Zukunft
China und Indien den Vortritt lassen müssen. Dazu kommt, dass circa die
Hälfte der US-Bevölkerung der Meinung ist, dass der Handel mit dem Aus-
land (insbesondere mit China) Jobs im Ausland zu Lasten amerikanischer
Arbeitsplätze schafft. Der Außenhandel wird als Null-Summen-Spiel (= was
der eine gewinnt, verliert der andere) gesehen, eine Sicht, die eine Bedro-
hung für die US-Dominanz darstellt.
2016 haben sich erstens deutlich mehr Wähler und Wählerinnen als 2012
für die eher konservative republikanische Partei ausgesprochen und zwei-
tens haben 2016 erkenntlich mehr Wähler und Wählerinnen als 2012 den
internationalen Handel negativ bewertet. 2016 war überdies der Abstand
zwischen der durchschnittlichen Wählermeinung zum Außenhandel und
der wahrgenommenen Position des Präsidentschaftskandidaten bei Trump
deutlich geringer als bei Clinton. Daraus schließt Mutz (2018, 334), „that
it was change in how candidates positioned themselves on status threat-
related issues […] that predicted increasing support for the Republican
candidate in 2016.“ Und: „[T]he candidates’ changing relative positions on
trade account for the greatest net impact on Trump support.“ (Mutz 2018,
336) Nicht so sehr die ökonomischen Probleme in den alten US-Industrie-
gebieten, sondern die Gefühle der Statusbedrohung der bisher dominanten
Bevölkerungsschicht haben die Präsidentschaftswahl 2016 entschieden.
Trumps Wahlslogans waren näher als die seiner Konkurrentin an Positionen
der statusbedrohten Amerikaner und Amerikanerinnen.
Identitätspolitik und protektionistische Außenhandelspolitik
Diese Ergebnisse der empirischen Untersuchung von Mutz (2018) weisen
auf die Bedeutung von Gruppenstatus bei der Bildung politischer Präferen-
zen hin. Diesen Hinweis berücksichtigen einige neue Arbeiten von Wirt-
schaftstheoretikern (Gene M. Grossman und Elhanan Helpman [2018];
Nicola Gennaioli und Guido Tabellini [2018]), in denen diese psychosoziale
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 2:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 267
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven