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Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmÀchtig
und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden
duen in den Gruppen, mit denen sie sich identifizieren, weder âakzeptiertâ
werden noch die als Bezugsgruppe identifizierten Mitglieder Àhnliche An-
sichten haben wie das Individuum. Vielmehr vergleicht sich das einzelne
Individuum mit einem prototypischen Bezugsgruppenmitglied und bezieht
Befriedigung aus dem Status, den die Bezugsgruppe in der Gesellschaft ge-
nieĂt. Die Bezugsgruppen als soziale Kategorien unterscheiden sich nach
NationalitÀt, Ethnie, Geschlecht, Beruf, Religion und können je nach poli-
tischem, ökonomischem und kulturellem Kontext bedeutsam (salient) wer-
den.
Nach Akerlof und Kranton (2000) bezieht ein Individuum Nutzen nicht nur
aus dem Konsum von materiellen GĂŒtern, sondern auch aus Selbstwert-
schÀtzung, die steigt, wenn das Individuum sich an die Verhaltensnormen
einer sozialen Bezugsgruppe anpasst. Shayo (2009) modelliert diese Idee
so, dass ein Individuum einen Nutzengewinn erfÀhrt, wenn es sich mit einer
Gruppe mit hohem sozialen Status identifiziert, aber Nutzen einbĂŒĂt, wenn
es sich mit einer Gruppe identifiziert, deren prototypisches Mitglied weit
von der eigenen EinschĂ€tzung bezĂŒglich einer sozialen Kategorie entfernt
ist. Shayo (2009) definiert eine soziales IdentitÀtsgleichgewicht als einen
Zustand, in dem sich die Individuen selbst kategorisieren innerhalb einer
Menge von bedeutsamen (salient) IdentitÀtsgruppen, abhÀngig von den
Handlungsweisen und den Handlungsergebnissen der anderen, wobei die
von den Politikern und dem Politikumfeld induzierten Handlungen und
ihre Ergebnisse die IdentitÀtsentscheidungen der Individuen bestimmen.
Eine Variante des sozialen IdentitÀtsgleichgewichts wenden Grossman und
Helpman (2018) auf das Heckscher-Ohlin-Modell des Handels von Produk-
ten zweier Industriesektoren zwischen zwei kleinen4 LĂ€ndern an, welche
die Weltmarktpreise ihrer Produkte als von auĂen vorgegeben betrachten. In
jedem Land gibt es nur zwei Produktionsfaktoren, nÀmlich höher und ge-
ringer qualifizierte Arbeit. Mit diesen wird ein Produkt fĂŒr den Export und
ein anderes, das mit einem vom Ausland eingefĂŒhrten Produkt konkurriert,
hergestellt. Die Produktion des Exportgutes benötigt relativ viel höher
qualifizierte Arbeit, wÀhrend das Importgut relativ viel geringer quali-
fizierte Arbeit nutzt. Die besser qualifizierten Individuen zÀhlen sich zur
Oberschicht der Gesellschaft des Landes, sind aber in der Minderheit, und
identifizieren sich selbst mit der âEliteâ des Landes. Die geringer qualifi-
Die SelbstwertschÀtzung steigt, wenn das Individuum sich
an die Verhaltensnormen einer sozialen Bezugsgruppe anpasst.
4 Im Peer Review-Verfahren wurde
zu Recht darauf hingewiesen, dass
das in der Folge dargestellte Modell
einer kleinen offenen Volkswirt-
schaft auf die USA nicht anwendbar
ist. Die Vereinigten Staaten von
Amerika sind eine groĂe offene
Volkswirtschaft vor allem gegenĂŒber
China, das US-PrÀsident Trump
mit Importzöllen auf chinesische
Produkte bekÀmpfen möchte. Die
groĂe offene unterscheidet sich
von der kleinen offenen Volkswirt-
schaft jedoch nur durch den Terms of
Trade-Effekt, der besagt, dass durch
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 2:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 267
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven