Seite - 243 - in Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Bild der Seite - 243 -
Text der Seite - 243 -
244 | www.limina-graz.eu
Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmächtig
und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden
duen in den Gruppen, mit denen sie sich identifizieren, weder „akzeptiert“
werden noch die als Bezugsgruppe identifizierten Mitglieder ähnliche An-
sichten haben wie das Individuum. Vielmehr vergleicht sich das einzelne
Individuum mit einem prototypischen Bezugsgruppenmitglied und bezieht
Befriedigung aus dem Status, den die Bezugsgruppe in der Gesellschaft ge-
nießt. Die Bezugsgruppen als soziale Kategorien unterscheiden sich nach
Nationalität, Ethnie, Geschlecht, Beruf, Religion und können je nach poli-
tischem, ökonomischem und kulturellem Kontext bedeutsam (salient) wer-
den.
Nach Akerlof und Kranton (2000) bezieht ein Individuum Nutzen nicht nur
aus dem Konsum von materiellen Gütern, sondern auch aus Selbstwert-
schätzung, die steigt, wenn das Individuum sich an die Verhaltensnormen
einer sozialen Bezugsgruppe anpasst. Shayo (2009) modelliert diese Idee
so, dass ein Individuum einen Nutzengewinn erfährt, wenn es sich mit einer
Gruppe mit hohem sozialen Status identifiziert, aber Nutzen einbüßt, wenn
es sich mit einer Gruppe identifiziert, deren prototypisches Mitglied weit
von der eigenen Einschätzung bezüglich einer sozialen Kategorie entfernt
ist. Shayo (2009) definiert eine soziales Identitätsgleichgewicht als einen
Zustand, in dem sich die Individuen selbst kategorisieren innerhalb einer
Menge von bedeutsamen (salient) Identitätsgruppen, abhängig von den
Handlungsweisen und den Handlungsergebnissen der anderen, wobei die
von den Politikern und dem Politikumfeld induzierten Handlungen und
ihre Ergebnisse die Identitätsentscheidungen der Individuen bestimmen.
Eine Variante des sozialen Identitätsgleichgewichts wenden Grossman und
Helpman (2018) auf das Heckscher-Ohlin-Modell des Handels von Produk-
ten zweier Industriesektoren zwischen zwei kleinen4 Ländern an, welche
die Weltmarktpreise ihrer Produkte als von außen vorgegeben betrachten. In
jedem Land gibt es nur zwei Produktionsfaktoren, nämlich höher und ge-
ringer qualifizierte Arbeit. Mit diesen wird ein Produkt für den Export und
ein anderes, das mit einem vom Ausland eingeführten Produkt konkurriert,
hergestellt. Die Produktion des Exportgutes benötigt relativ viel höher
qualifizierte Arbeit, während das Importgut relativ viel geringer quali-
fizierte Arbeit nutzt. Die besser qualifizierten Individuen zählen sich zur
Oberschicht der Gesellschaft des Landes, sind aber in der Minderheit, und
identifizieren sich selbst mit der „Elite“ des Landes. Die geringer qualifi-
Die Selbstwertschätzung steigt, wenn das Individuum sich
an die Verhaltensnormen einer sozialen Bezugsgruppe anpasst.
4 Im Peer Review-Verfahren wurde
zu Recht darauf hingewiesen, dass
das in der Folge dargestellte Modell
einer kleinen offenen Volkswirt-
schaft auf die USA nicht anwendbar
ist. Die Vereinigten Staaten von
Amerika sind eine große offene
Volkswirtschaft vor allem gegenüber
China, das US-Präsident Trump
mit Importzöllen auf chinesische
Produkte bekämpfen möchte. Die
große offene unterscheidet sich
von der kleinen offenen Volkswirt-
schaft jedoch nur durch den Terms of
Trade-Effekt, der besagt, dass durch
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 2:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 267
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven