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Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmÀchtig
und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden
In der Abb. 1 ist auf der waagrechten Achse der Inlandspreis des Import-
gutes p und auf der senkrechten Achse das davon abhÀngige Gesamtnut-
zenniveau aufgetragen. In der Abbildung sind vier stark gezeichnete und
eine unterbrochene, umgekehrt U-förmige Kurven dargestellt, welche die
VerlĂ€ufe der Gesamtnutzenfunktion fĂŒr die vier Identifikationsregimes
(0,0), (0,1), (1,1), (1,0) sowie (1,1)â zeigen. Die ganz linke Kurve, mit (0,0)
bezeichnet, entspricht dem Identifikationsregime, in dem sich weder die
geringer noch die höher Qualifizierten mit der Nation identifizieren. Die
von links nach rechts gesehen nÀchste Kurve, die mit (0,1) bezeichnet ist,
symbolisiert das Identifikationsregime, in dem sich nur die geringer Qua-
lifizierten auch mit der Nation identifizieren. Die in der Mitte gelegene
Kurve, die mit (1,1) indiziert ist, entspricht dem Identifikationsregime, in
dem sich sowohl die weniger als auch die höher Qualifizierten auch mit der
Nation identifizieren. Die am weitesten rechts befindliche Kurve stellt das
Identifikationsregime (1,0) dar, in dem sich nur die höher Qualifizierten
mit der Nation identifizieren.
In Abb. 1 wird das globale Nutzenmaximum zunÀchst beim Inlandspreis
p(1,1) mit dem Zollsatz  t(1,1) = [p(1,1)âq]/q  erreicht. Wenn die Politiker
diesen Zollsatz festlegen, kann man zeigen, dass sich die beiden WĂ€hler-
gruppen mit dem herrschenden Identifikationsregime im Eigeninteresse
identifizieren. Das gilt auch fĂŒr die Inlandspreise p(0,1) und p(1,0), und auch
fĂŒr die Freihandelspolitik, bei welcher Â
t(0,0)Â =Â
0  und daher Â
p(0,0)Â =Â
qÂ
 ist.
Wird das globale Nutzenmaximum bei einem Zollsatz von Null erreicht,
identifizieren sich beide Qualifikationsgruppen jeweils nur mit ihrer eige-
nen sozialen Gruppe, aber nicht mit der Nation als Ganzes. Der optimale
Zoll ist wie ohne soziale Identifikation gleich Null, obwohl sowohl die weni-
ger wie auch die höher Qualifizierten sich mit der jeweils eigenen sozialen
Gruppe identifizieren, d. h. sich um das Wohlergehen der anderen in der
eigenen Gruppe sorgen. Es kommt dennoch zu keiner Protektion der heimi-
schen Wirtschaft, weil die Interessen der weniger Qualifizierten genau den
Interessen der höher Qualifizierten entgegengesetzt sind und sich ihre Inte-
ressen neutralisieren: WĂ€hrend die weniger Qualifizierten einen Zoll gegen-
ĂŒber dem Freihandel prĂ€ferieren, möchten die höher Qualifizierten einen
negativen Zoll (= Einfuhrsubvention).
Wird dagegen das globale Nutzenmaximum bei p(1,0) erreicht â hier iden-
tifizieren sich nur die höher Qualifizierten mit der Nation â, dann enthĂ€lt
die zu maximierende Nutzenfunktion neben dem aggregierten materiellen
Nutzen eine Komponente, die mit der Lohndifferenz abnimmt. Das sind die
psychischen Kosten fĂŒr die höher Qualifizierten, wenn sie sich nicht nur mit
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 2:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 267
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven