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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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251 | www.limina-graz.eu Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmĂ€chtig und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden „Anders artigen“ weg, was Protektion weniger kostspielig macht. Die Protek- tion nimmt zu, wenn der letzte Effekt stĂ€rker als der erste ist, und das ist genau in der Abb. 1 der Fall. Aus rein ökonomischer Sicht ist protektionistische Außenhandelspolitik in einer kleinen offenen Volkswirtschaft irrational, weil sie dem Eigeninteresse des DurchschnittsbĂŒrgers zuwiderlĂ€uft. Das gilt nicht mehr, wenn man das individuelle Eigeninteresse nicht auf den Nutzen aus dem GĂŒterkonsum beschrĂ€nkt. Als soziales Wesen orientiert sich eine rationale WĂ€hlerin nicht nur an den voraussichtlichen Effekten eines Wahlprogramms auf ihren materiellen Nutzen, sondern auch an psychischen GrĂ¶ĂŸen wie Stolz, soziale Akzeptanz und Selbstwert. Sie entscheidet sich fĂŒr jene Politik, welche sie seelisch zufrieden, aber nicht notwendigerweise reich macht. Die Sozialpsy- chologie lehrt, dass seelische Zufriedenheit und Selbstwert zum Teil daher kommen, dass das Individuum sich als Mitglied einer sozialen Bezugsgrup- pe sieht. Das Individuum sucht BestĂ€tigung von anderen und möchte dazu- gehören. Der Einzelne identifiziert sich mit Mitmenschen, die er schĂ€tzt, er erlebt Genugtuung, wenn die Bezugsperson erfolgreich ist, Unbehagen, wenn die Bezugsperson nicht erfolgreich ist. Daher ist es naheliegend, das Wohl- ergehen von anderen, mit denen sich jemand identifiziert, als Teil der eige- nen BedĂŒrfnisbefriedigung zu sehen und Politiken zu unterstĂŒtzen, die den Bezugspersonen wie einem selber nĂŒtzen. IdentitĂ€tspolitik ist dann die logi- sche Konsequenz dieses Denkens. Protektionistische Außenhandelspolitik als Teil dieser IdentitĂ€tspolitik maximiert den materiellen und psychosozialen Nutzen des DurchschnittsbĂŒrgers in der kleinen offenen Volkswirtschaft.5 Identifizierung ist völlig freiwillig und lĂ€sst sich nicht von außen erzwin- gen. Insoweit IdentitĂ€t Selbstkategorisierung widerspiegelt, wird sie auf wirtschaftlichen und kulturellen Wandel reagieren. Weil IdentitĂ€t politische PrĂ€ferenzen beeinflusst, beeinflussen VerĂ€nderungen des Identifikations- regimes politische Ergebnisse. Soziale Identifizierung erfolgt in diskreten (sprunghaften) Schritten: Man ist Teil einer Eigengruppe (In-Group) oder Teil einer Fremdgruppe (Out-Group). Starke VerĂ€nderungen in den politi- schen PrĂ€ferenzen, die als „populistische Revolution“ bezeichnet werden, sind seit 2015 in den USA und anderen reichen LĂ€ndern zu beobachten. Po- pulismus wird als IdentitĂ€tspolitik verstanden, wo sich der Einzelne nicht mehr breit mit der Nation, sondern enger mit seiner eigenen Bezugsgruppe identifiziert. Die andere „elitĂ€re“ Gruppe wird als korrupt punziert, und die 5 Das gilt genauso in einer großen offenen Volkswirtschaft wie der USA, weil der Terms of Trade-Effekt in der großen offenen Volkswirt- schaft die psychosozialen Nutzen- komponenten nicht tangiert. IdentitĂ€tspolitik ist die logische Konsequenz.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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