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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
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257 | www.limina-graz.eu Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmächtig und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden „Historically determined clusters of values are therefore prone to become vehicles of identification and political action, and thus of polarization, replacing class based identities. To put it differently, trade and technol- ogy shocks may have increased the relevance of pre-existing fault lines within traditional political groups defined on the left versus right dimen- sion. Socially conservative poor voters, who traditionally identified with left wing groups despite their social conservatism, are now attracted by nationalism because it appeals to both their trade preferences and their cultural views, and vice versa for voters with opposite political features. As this happens, traditional income or class based conflict wanes and is replaced by new political cleavages over correlated dimensions.“ (Gen- naioli/Tabellini 2018, 25) Die „Depersonalisierung“ der individuellen Einstellungen tritt auf, wenn die Individuen stereotypische Gruppeneinstellungen überbewerten. Der Pa- rameter    θ  >  0 misst die Bedeutung von Stereotypen für die Verzerrung der individuellen Mittelwerte von Einkommen, Handelsoffenheit und Kultur. Ist θ hoch, weichen die identifikationsbasierten Einstellungen stark von den individuellen Mittelwerten (ohne Identifikation) ab. Korrelation zwischen Handel und Kultur ändert die Konsequenzen von Identifizierung: Der einkommensschwache, latent globalisierungskriti- sche und sozial konservative US-Wähler untertreibt vor dem WTO-Beitritt Chinas (2001) wegen Identifikation mit den Einkommensschwachen sein erwartetes Einkommen, während er bezüglich Handels- und Kulturpoli- tik in der Gesellschaftsmitte liegt. Nach dem WTO-Beitritt Chinas, nach der Verlagerung arbeitsintensiver US-Produktionen nach China und dem mas- senhaften Import billiger, chinesischer Produkte in die USA steigt γ, was einen Identitätswechsel von einkommens- zu handelsbasiert auslöst. Der vormals gegenüber Außenhandelspolitik neutral eingestellte Wähler wird zum Nationalisten, und wegen der positiven Korrelation zwischen Handels- aversion und sozialem Konservatismus auch zum sozial Konservativen. Die Einkommensaussichten des typischen Wählers sind nicht mehr verzerrt, daher fragt er weniger Umverteilung nach. Die Kluft zwischen Eigen- und Fremdgruppen innerhalb der Handels- und Kulturpolitik wird größer, wenn auch θ zunimmt, d.  h. die Bedeutung von Stereotypen steigt. Das steigert die Polarisierung und den Konflikt zwischen verschiedenen Sichten der Welt. Der Konflikt über die kulturelle Dimension beschleunigte die gesellschaftliche Polarisierung.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 2:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
2:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
267
Categories
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