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Elisabeth Zissler | Digitale Kränkung?
Harald Seubert stellt die Digitalisierung als umfassende mediale Verände-
rung sogar auf eine Ebene mit der Erfindung des Buchdrucks (vgl. Seubert
2019).
Die digitale Gesellschaft tritt jedenfalls als eine Kommunikationsgesell-
schaft in Erscheinung, in der Menschen permanent ĂĽber Medien mit un-
glaublich vielen anderen Menschen, oder einem technischen GegenĂĽber,
kommunizieren. Zudem setzt mit der digitalen Revolution auch das Infor-
mationszeitalter ein, das angesichts der starken Verbreitung von Fake News
und nicht gesichertem „Wissen“ zugleich auch als Desinformationszeit-
alter klassifiziert werden könnte.
DisziplinenĂĽbergreifende Verortung
Der Zugang zu digital gespeichertem Wissen steigt ab den frĂĽhen 2000er-
Jahren enorm an, womit zugleich das digitale Zeitalter eingeläutet wird.
Ab diesem Zeitpunkt fangen verschiedene Disziplinen (nicht nur die Infor-
matik) an, die Auswirkungen der Digitalisierung in ihren jeweiligen For-
schungskontexten zu untersuchen.
So kann der Digital Turn unter anderem in folgenden Wissenschaftsberei-
chen verortet werden: im Bereich der Bildungswissenschaften (z. B. digi-
tales Lernen und „Bildung per Mausklick“), in den Medien- und Politik-
wissenschaften (z. B. Entwicklung von Medienkompetenz, Auswirkung
von Social Media auf demokratische Prozesse), in der (Technik-)Philo-
sophie (z. B. Reflexion der Mensch-Maschine-Beziehung), in der Sozio-
logie (z. B. Einsatz von Robotern in der Arbeitswelt, Auswirkungen von
Social Media auf zwischenmenschliche Beziehungen), in den Wirtschafts-
wissenschaften (z. B. weltweiter Einfluss von Digitalkonzernen, neue For-
men des Wirtschaftens: Block Chains), in der Raum- und Stadtforschung
(z. B. Entwicklung von Smart Cities), in den Mobility Studies (z. B. autono-
mes Fahren im Kontext von Transport und Fortbewegung), in den Pfle-
gewissenschaften (z. B. Einsatz von Social Robotics), in Ethik und Theo-
logie (z. B. Auseinandersetzung mit Konzepten der Selbstoptimierung,
Stichwort: Enhancement und Transhumanismus, Herausbildung einer
digitalen Ethik).
Die Digitalisierungsthematik kristallisiert sich zudem als Hot Spot des in-
terdisziplinären Diskurses heraus, wie etwa die Plattform Homo Digitalis –
Die digitale Gesellschaft als Kommunikationsgesellschaft
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 3:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 270
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven