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Viera Pirker | â#monthoftherosaryâ. Theologische Rekonstruktion zu einem Instagram Image
1 Forschungskontext
Religiöse Individuen und Gruppen, die religionsbezogen in Social Network
Sites wie Facebook, Twitter, Instagram und YouTube kommunizieren, prÀ-
gen die gesellschaftliche Wahrnehmung von Religion, sie entwickeln das
âBildâ von Religion und religiöser Praxis in der Ăffentlichkeit mit. Auch auf
der Plattform Instagram, welche die Entwicklung digitaler visueller Kultu-
ren seit ihrer GrĂŒndung 2010 intensiv prĂ€gt (Leaver u. a. 2020), begegnen
Praktiken religiöser SelbsterzÀhlungen und Inszenierungen. Wie andern-
orts im Internet haben sich auch hier in den vergangenen Jahren religiöse
Nischen gebildet, die die âplatform vernacularsâ (Gibbs u. a. 2015), d. h. die
plattformtypischen Dialekte und Praktiken, anwenden und unter anderem
mit Strategien des sich auf Instagram maĂgeblich entwickelnden Influen-
cer-Marketings operieren. Hier hat sich ein eigener Ort religiöser Praxis
gebildet, der sich unter den spezifischen Bedingungen der Inter
aktion und
Kommunikation neu ausprÀgt.
Auch wenn Social Network Sites eher einen Zerrspiegel gesellschaftlicher
Wirklichkeit abbilden, als dass die dort auffindbaren Praktiken gleichsam
1:1 auf Gesellschaftsanalyse angewendet werden dĂŒrfen, so kann doch die
Bedeutung dieser PhĂ€nomene fĂŒr das VerstĂ€ndnis religiösen Wandels sowie
die sich in ihnen spiegelnde VerĂ€nderung fĂŒr die âgesellschaftliche Konst-
ruktion von religiöser Wirklichkeitâ (Berger/Luckmann 1969) kaum ĂŒber-
schÀtzt werden. Religionswissenschaftlich liegt bereits eine langjÀhrige Be-
schĂ€ftigung mit âDigital Religionâ vor (Campbell 2012a; Cheruvallil-Con-
tractor/Shakkour 2015; Campbell/Garner 2016), und zukunftsorientierte
Forschungsfelder setzen bei Kernpunkten religiösen SelbstverstÀndnisses
von Individuen an, die mit den Begriffen Ritual, IdentitÀt, Gemeinschaft,
AutoritÀt, AuthentizitÀt und Religion konturiert werden können (Campbell
2012b, 12â16). Doch konfessionelle mediale Inszenierungen im christli-
chen Kontext, die damit verbundenen individuellen Praktiken und institu-
tionellen Konsequenzen werden in Theologie und ReligionspÀdagogik bis-
lang wenig beachtet. Religionsbezogene Forschung zu Instagram begleitet
bislang vorrangig die individuelle Bildpraxis von Musliminnen (Frissen
u. a. 2017; Kavakci/Kraeplin 2017; Baulch/Pramiyanti 2018; Boy u. a. 2018;
Nisa 2018); eine Studie analysiert den höchst unterschiedlich verwendeten
Die Bedeutung der Praktiken auf Social Network Sites fĂŒr das
VerstĂ€ndnis religiösen Wandels ist kaum zu ĂŒberschĂ€tzen.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 3:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 270
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven