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Viera Pirker | â#monthoftherosaryâ. Theologische Rekonstruktion zu einem Instagram Image
Die szenische Choreografie (Abb. 4) gestaltet sich innerhalb des rechtwink-
ligen Aufbaus des Bildes spannungsvoll: Die Schaukelsessel bilden jeweils
spiegelverkehrte Dreiecksformen, in denen die Haare der beiden Frauen
ovale Formen erzeugen. Das Bild gewinnt dadurch zwei Mittelpunkte, die
genau aufeinander bezogen und ausbalanciert sind. Zwischen den gefĂŒll-
ten Formen entsteht mittig ein leerer Raum, der ebenfalls in einem Drei-
eck strukturiert ist. In der quadratischen Ansicht des Bildes im Instagram
Grid dominiert dieser mittige, leere Raum das Bild noch stÀrker als in der
hier analysierten rechteckigen Variante. Die emporstrebenden Dreiecke der
Schaukeln könnten die Arme oder Beine der Frauen verbergen. Die SchÀr-
fe/UnschÀrfe-Relation unterscheidet klar zwischen Bildvordergrund, in
dem die Struktur der Haare beider Personen scharf hervorgehoben ist, und
einem eher verschwommenen Bildhintergrund. Die SchÀrfe des Vorder-
grunds lĂ€sst darauf schlieĂen, dass die Schaukelsitze ruhig hĂ€ngen, nicht
in Bewegung sind. Text im Bild ist in diesem Bild nicht vorhanden und muss
daher nicht analysiert werden.
Zwei Zitate aus InterpretationsgesprÀchen entwickeln die ersten Linien
der ikonologisch-ikonischen Interpretation. Eine Studentin (23 J., weiblich)
findet das Bild sehr ansprechend, auch da sie sich damit persönlich iden-
tifizieren kann. âVielleicht, meine beste Freundin ist blond, ich bin brĂŒ-
nett, vielleicht ist es auch deswegen ansprechend, auch weil wir gern Bilder
machen.â Die RĂŒckenansicht enthebt das Bild einerseits der Personifizie-
rung und verstÀrkt somit andererseits die Möglichkeit, dass sich die Be-
trachtenden selbst mit den Personen identifizieren. Wahrnehmbar ist eine
besondere Situation der Bildproduktion, die intentional gedeutet werden
kann: âEs ist schön, wir wollen zeigen, dass es uns gut geht, und wir setzen
uns deshalb hier hin und machen das Bild.â Weiters werden Urlaub, Rei-
se und ein Ferienhaus assoziiert. Die klare Planimetrie, die zurĂŒckhalten-
de Farbgebung, die weitgehend parallel aufgebaute szenische Choreografie
heben die Ă€uĂere Balance des Bildes hervor, die auf eine innere Balance der
beiden Frauen ĂŒbertragen wird. Zwei erwachsene, gepflegte weiĂe Frauen
befinden sich, rundum abgegrenzt von der Umwelt, miteinander in ruhi-
gem Kontakt. Das Bild transportiert auf den ersten Blick Entspannung und
Freundschaft. Die Urlaubsassoziation folgt diesem GefĂŒhl, doch angesichts
des nicht sehr gewinnend gestalteten Hintergrunds legt sich eher eine All-
tagssituation nahe.
Die ersten Linien der ikonologisch-ikonischen Interpretation
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 3:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 270
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven