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Viera Pirker | â#monthoftherosaryâ. Theologische Rekonstruktion zu einem Instagram Image
Ein Religionswissenschaftler (53 J., mÀnnlich) analysiert das Bild entlang
der szenischen Choreografie, die religiöse Bildwelten eröffnet:
âWie EngelsflĂŒgel, zwei Frauen, auf ihr Haar reduziert. Sie schweben,
Levitationsthema: sie sind offenbar in einer alltagsenthobenen Situa-
tion, der Raum wirkt insgesamt harmonisch durch die beiden Kugeln. Es
steht nichts UnnĂŒtzes herum, man hat Holz, man hat Natur, und die Per-
spektive ist absolut ungewöhnlich. Das heiĂt, ganz sicher will der Foto-
graf eine Dimension an diesen Personen zeigen, die nicht alltÀglich ist.
Ihre Enthobenheit, ihre Engelhaftigkeit, ihre FĂ€higkeit zu meditieren, ihr
Leben in einer SphÀre, die sie unabhÀngig macht von ihren Alltagssor-
gen.â
Im Schweben erzeugt die Kamera intentional den Eindruck der Alltags-
enthobenheit, der Sorglosigkeit, verbunden mit einer klaren Option fĂŒr
Selbstsorge. Das Bild zeigt keine Sorgen, Verantwortungen, Anforderungen
oder Verpflichtungen.
Die positiven Assoziationen des ersten Blicks werden im Zueinander von in-
haltlichen und kompositorischen Elementen unterstĂŒtzt und erweitert. In der
szenischen Choreografie sind die Frauen auf ihre langen, offen fallenden
Haare reduziert, die als klares Signal der freien, selbstbestimmten, sich
ausdrĂŒcklich weiblich identifizierenden Frau gelesen werden können. Sie
befinden sich in einer eingehegten, zugleich aber angesichts des Bildhin-
tergrunds auch âaussichtslosenâ Situation, in der sie keinen Ausweg su-
chen, sondern in sich selbst ruhend und einander genĂŒgend platziert wer-
den, frei hÀngend in Gitternetzen, ohne Bewegung. Die Farbgebung ist als
Camouflage zu beschreiben; sie öffnet Verbindungen zu Natur, aber auch
zu militÀrischen Praktiken des Versteckens, die Training und Orientierung
an Sicherheit erfordern. Die hÀngenden Netze erlauben kontraintuitive
Assoziationen zur szenischen Choreografie, die in der Bildproduktion nicht
intendiert sind, jedoch den referenziellen Bildraum der Darstellung ergÀn-
zen. Der vergitterte VogelkĂ€fig steht als Symbol der geschĂŒtzten oder auch
verletzten JungfrĂ€ulichkeit, in hĂ€ngenden KĂ€figen wurden die MĂŒnstera-
ner WiedertÀufer zur Schau gestellt, auch liegt der Gedanke an eine Netz-
falle, die sich beim Auslösen um den Körper wickelt und diesen hochzieht,
nicht fern. Die Dreiecksformen der Schaukeln stehen in Verbindung mit
Zwei Frauen in einer âaussichtslosenâ Situation,
in der sie keinen Ausweg suchen
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
- Title
- Limina
- Subtitle
- Grazer theologische Perspektiven
- Volume
- 3:2
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- Size
- 21.4 x 30.1 cm
- Pages
- 270
- Categories
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven