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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
Seite - 203 -
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203 | www.limina-graz.eu Viera Pirker | „#monthoftherosary“. Theologische Rekonstruktion zu einem Instagram Image Ein Religionswissenschaftler (53 J., männlich) analysiert das Bild entlang der szenischen Choreografie, die religiöse Bildwelten eröffnet: „Wie Engelsflügel, zwei Frauen, auf ihr Haar reduziert. Sie schweben, Levitationsthema: sie sind offenbar in einer alltagsenthobenen Situa- tion, der Raum wirkt insgesamt harmonisch durch die beiden Kugeln. Es steht nichts Unnützes herum, man hat Holz, man hat Natur, und die Per- spektive ist absolut ungewöhnlich. Das heißt, ganz sicher will der Foto- graf eine Dimension an diesen Personen zeigen, die nicht alltäglich ist. Ihre Enthobenheit, ihre Engelhaftigkeit, ihre Fähigkeit zu meditieren, ihr Leben in einer Sphäre, die sie unabhängig macht von ihren Alltagssor- gen.“ Im Schweben erzeugt die Kamera intentional den Eindruck der Alltags- enthobenheit, der Sorglosigkeit, verbunden mit einer klaren Option für Selbstsorge. Das Bild zeigt keine Sorgen, Verantwortungen, Anforderungen oder Verpflichtungen. Die positiven Assoziationen des ersten Blicks werden im Zueinander von in- haltlichen und kompositorischen Elementen unterstützt und erweitert. In der szenischen Choreografie sind die Frauen auf ihre langen, offen fallenden Haare reduziert, die als klares Signal der freien, selbstbestimmten, sich ausdrücklich weiblich identifizierenden Frau gelesen werden können. Sie befinden sich in einer eingehegten, zugleich aber angesichts des Bildhin- tergrunds auch ‚aussichtslosen‘ Situation, in der sie keinen Ausweg su- chen, sondern in sich selbst ruhend und einander genügend platziert wer- den, frei hängend in Gitternetzen, ohne Bewegung. Die Farbgebung ist als Camouflage zu beschreiben; sie öffnet Verbindungen zu Natur, aber auch zu militärischen Praktiken des Versteckens, die Training und Orientierung an Sicherheit erfordern. Die hängenden Netze erlauben kontraintuitive Assoziationen zur szenischen Choreografie, die in der Bildproduktion nicht intendiert sind, jedoch den referenziellen Bildraum der Darstellung ergän- zen. Der vergitterte Vogelkäfig steht als Symbol der geschützten oder auch verletzten Jungfräulichkeit, in hängenden Käfigen wurden die Münstera- ner Wiedertäufer zur Schau gestellt, auch liegt der Gedanke an eine Netz- falle, die sich beim Auslösen um den Körper wickelt und diesen hochzieht, nicht fern. Die Dreiecksformen der Schaukeln stehen in Verbindung mit Zwei Frauen in einer ‚aussichtslosen‘ Situation, in der sie keinen Ausweg suchen
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
3:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
270
Kategorien
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