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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
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220 | www.limina-graz.eu Eugen Dolezal und Moritz Windegger | KI – Künstler oder Werkzeug? handen, schreibt Floridi (Floridi 2017, 99–104). Steht der Name „Beetho- ven“ für diese Wende im Jahr 2020? Obgleich das Projektteam eingesteht, dass die Maschine das Genie nie er- setzen können wird, so postuliert es doch, dass man einen „Blick in den Kopf des Komponisten“ (Weiguny 2019) erhalten würde. Grundsätzlich scheinen also zumindest zwei Thesen in Bezug auf die Leistung der Ma- schine möglich: ̟ Künstliche Intelligenz kann die Prozesse des künstlerischen Schaf- fens Beethovens abbilden und fortführen. ̟ Künstliche Intelligenz kann mehr oder weniger eigenständig Kunst schaffen. Ein Rechner entwickelt die bisher dem Menschen eigene Fähigkeit, Künstler zu sein. Die erste These lässt sich bei näherer Betrachtung schnell relativieren: Na- türlich wird das Ergebnis schon allein aus Gründen der Geschichtlichkeit nicht dasselbe sein, das es um 1827 gewesen wäre. Und es wird auch nicht exakt dasselbe Werk sein, erklärt der am Projekt mitarbeitende Robert Le- vin: „Was KI uns gestattet, ist die Möglichkeit, den weiteren Verlauf eines Satzes in 20, in 100 verschiedenen Fassungen anzubieten. Und das ist unendlich faszinierend, denn wenn es algorithmisch sehr gut gemacht wird, dann ist jeder Versuch plausibel.“ (Deutsche Telekom AG 2019) Es ist das Expertenteam, das die generelle Struktur für die fertige Kompo- sition festlegt. In diese Struktur werden die Vorschläge, die die KI errech- net, eingearbeitet. Die KI errechnet zudem neue Ideen. Ihre Komposition produziert sie zunächst als monoton anmutende Tonfolge. Erst durch das erneute Aufführen durch ein Instrument geschieht die Interpretation, über die „die Komposition zum Leben erwacht“ (Deutsche Telekom AG 2019). Diese Interpretation leisten Musiker. In weiterer Folge sollen die aufgeworfenen Fragestellungen und die ih- nen innewohnende Unruhe des Verhältnisses von Künstlicher Intelligenz und künstlerischem Schaffen näher betrachtet werden. Ebenso soll ge- klärt werden, in welchem Verhältnis das maschinelle Produkt zum Original steht, wie und unter welchen Einschränkungen die Maschine arbeitet, und inwiefern ein Algorithmus Kunst schaffen kann. Im kommenden Abschnitt soll nun das Verhältnis zwischen dem Original Beethovens und dem nun
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
3:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2020
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
270
Categories
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